Presseschau: Corona-Krise in den Medien

Wissenschaft und Politik: Ad hoc-Empfehlung des Deutschen Ethikrates
Zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik, das auch in der Corona-Krise auf dem Prüfstand steht, hat der Deutsche Ethikrat in seiner Ad hoc-Empfehlung „Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise“ eindeutig Stellung bezogen. Man dürfe von der Wissenschaft keine Handlungsanweisungen für die Politik verlangen und eine verantwortungsvolle Demokratie dürfe die politische Entscheidungsfindung nicht alleine von wissenschaftlicher Beratung leiten lassen, heißt es dort. Die Bedeutung der Wissenschaft bei gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen diskutierte der Deutsche Ethikrat bereits im Oktober 2019 auf der Tagung „Meinen – Glauben – Wissen: Klimawandel und die Ethik der Wissenschaft“. Das nachfolgende Zitat aus dem Infobrief 01/20 lässt sich, ersetzt man Klimawandel durch Corona-Krise, auf das Verständnis der Rolle der Wissenschaft während der aktuellen Pandemie anwenden:

„Dabei bestehe die Aufgabe der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Klimaforscher Hans von Storch zufolge allerdings keinesfalls darin, dem politischen Prozess Ergebnisse vorzugeben. Vielmehr sei Wissenschaft ein sozialer Prozess, der auf einem ‚Markt von Wissensansprüchen‘ Angebote machen könne, dessen Stärke aber auch in der Bereitschaft zum Irrtum liege. Trotz der Dringlichkeit zu handeln sei die Klimaforschung zu methodischer Sorgfalt und gedanklicher Offenheit verpflichtet. Auch Nachhaltigkeitsforschung müsse nachhaltig agieren und den Risiken unangemessenen Handelns im Falle eines Scheiterns der Begrenzung des Klimawandels die Opportunitätskosten gegenüberstellen, die sich durch die Vernachlässigung anderer Problemfelder ergeben könnten. Eine wechselseitige Beeinflussung von Wissenschaft und Politik, bei der sich die Wissenschaft unter den Zweckvorbehalt stellt, die Politik zu unterstützen, und die Politik sich als bloße Exekutive der Wissenschaft versteht, schade zudem der Glaubwürdigkeit beider Akteure. Die Politik verliere ihre Stärke als ‚demokratischer Marktplatz‘ politischer Auseinandersetzung und die Wissenschaft ihre Offenheit gegenüber anderen Erklärungen und Ansätzen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten daher ihre Rolle auf die des ‚ehrlichen Maklers‘ reduzieren und in den wissenschaftlichen Prozess eingeflossene Werte transparent machen.

Wie die Philosophin Wendy Parker in ihrem anschließenden Vortrag verdeutlichte, können Werturteile in manchen wissenschaftlichen Kontexten sogar geboten sein. Bereits die Entscheidung für ein Forschungsthema sei ein Werturteil, das sowohl notwendig als auch geduldet sei. Doch auch bei der Auswahl und Interpretation von Daten können Werturteile gefordert sein. Dies liege daran, dass verschiedene

wissenschaftliche Methoden oft für verschiedene Arten von Fehlern anfällig seien und nicht immer genügend Ressourcen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Verfügung stünden, alle Methoden zur Untersuchung eines Sachverhaltes parallel zu nutzen. In solchen Fällen gehöre es daher zu verantwortlicher Forschung, die praktischen Konsequenzen der verschiedenen möglichen Fehler in die Entscheidung einzubeziehen. Manche Fehler führten beispielsweise eher dazu, das Risiko bestimmter Konsequenzen zu überschätzen, während andere eher das Gegenteil bewirkten. Würden solche Wertsetzungen transparent gemacht und erklärt, würde dies der Glaubwürdigkeit von Wissenschaft keinen Abbruch tun, so Parker.

In der anschließenden Diskussion waren sich die Referierenden darin einig, dass die wissenschaftlichen Ergebnissen notwendig anhaftende Unsicherheit und Fehleranfälligkeit kein grundsätzliches Problem für den ohnehin regelmäßig auf unsicherem Wissen basierenden politischen Entscheidungsprozess sei. Es müsse jedoch darauf geachtet werden, die Unsicherheit weder herunterzuspielen, wodurch der Gesellschaft Wahlmöglichkeiten genommen würden, noch überzubetonen, was der Glaubhaftigkeit der Wissenschaft schaden könnte. Eine Erschwernis dabei sei, dass sich viele der Unsicherheiten in der Klimadebatte nicht in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken ließen.“

Infobrief – Informationen und Nachrichten aus dem Deutschen Ethikrat 01/20, S. 6ff.

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