Zweite Veranstaltung "TonArzt" im Ärztehaus - Windhorst: Musik ist ein individuelles Medikament ohne Nebenwirkungen

„Musik ist das beste Antidepressivum ohne Nebenwirkung.“ Dies sagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, im Vorfeld der zweiten Veranstaltung „TonArzt – Musik als Medikament“, zu der die Kammer gemeinsam mit dem Münsteraner Musiker Jürgen Bleibel einlädt. Musik wirke sich positiv auf das Immunsystem und das allgemeine Wohlergehen aus. Die Veranstalter wollen mit „TonArzt“ Musik und Medizin in Verbindung bringen und dadurch verdeutlichen, dass musikalische Klänge Einflüsse auf das gesundheitliche Befinden haben.

In den vergangenen zwanzig Jahren seien bedeutende Fortschritte sowohl in der Forschung als auch in der klinischen Anwendung von Musik gemacht worden, so Windhorst. So werde Musik bereits in vielen Krankenhäusern vor und während einer Operation eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete für Musik in der Medizin seien Schmerzkontrolle, Geburtshilfe, Komapatienten, Depressionen, Herz-Kreislaufstörungen, Migräne, Alzheimer, psychologische und psychiatrische Problemfälle.

„Heute wissen wir, dass die Musik tatsächlich wertvolle therapeutische Eigenschaften besitzt. Durch ihre Fähigkeit, starke emotionale Reaktionen hervorzurufen, ist Musik sehr eng mit Heilung und Wohlbefinden verbunden. Auf diese Weise kann Musik auch bei Schmerzpatienten wie ein Medikament wirken und daher so manche Pille ersetzen.“ Der Patient empfinde den Schmerz nicht so massiv und es komme zu einer deutlichen Verbesserung seiner Lebensqualität, weil er die Schmerzen besser ertragen könne. Besonders bei chronischen Schmerzen könne Musik mit guter Wirkung eingesetzt werden. Studien hätten nachgewiesen, dass spezielle Musik den Anwendungskriterien eines Medikamentes genüge. „Allerdings lässt sich der Einsatz von Musik nicht schematisieren. Man kann nicht sagen, dass die Musik bei einer bestimmten Krankheit etwas ganz Bestimmtes bewirkt, wie eine Tablette. Dazu erlebt jeder einzelne Musik zu individuell.“

Mitveranstalter Jürgen Bleibel, Pianist und Klarinettist aus Münster, sagt, die Musik wirke unmittelbar auf das neuronale Netzwerk des Gehirns ein. Durch die Wahrnehmung von Musik würden Hirnareale mobilisiert, die auf das Nervensystem des ganzen Körpers stimulierende Wirkung hätten. „Somit ist es nicht verwunderlich, dass das passive Musikhören und vielmehr noch das aktive Musizieren alle medizinischen Fachbereiche in ihrer Funktionsweise und Therapie im besten Sinne positiv berühren." Klavierspielen zum Beispiel sei ein ideales Mittel, um krankmachenden Stress abzubauen. Wie neuere neuro-physiologische Untersuchungen zeigten, wirke sich die Motorik des Klavierspielens positiv auf die vegetativen Funktionen des Körpers wie Gedächtnis, Konzentration, Kombinationsvermögen aus. „Das aktive Musizieren, insbesondere das Klavierspiel, kann die Funktion eines Gehirnjoggings bekommen. Dies gilt für jüngere wie für ältere Menschen. Verloren gegangene motorische Fähigkeiten können durch gezieltes Üben wiedererlangt werden, was sich positiv auf die Gehirnfunktionen auswirkt. Wer Klavier spielt, hat mehr vom Leben.“

Der zweite „TonArzt“-Abend am Donnerstag, 30. September, beginnt um 19.00 Uhr im Ärztehaus Münster (48147 Münster, Gartenstraße 210-214). Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung nicht erforderlich. Musikalisch wird die Veranstaltung begleitet von Jürgen Bleibel und Prof. Dr. Wolfgang Bleibel. Während Jürgen Bleibel sich als Pianist und Klarinettist sowohl im Jazz als auch in der Klassik einen Namen gemacht hat, verbindet sein Bruder Wolfgang beide Musik-Welten als Professor für Jazzsaxophon am Institut für Jazz der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, dessen Direktor er ist.