Zahl der Ärzte steigt – trotzdem droht Mangel - Windhorst: „Nicht die Ärzte, sondern die Arbeitsstunden zählen“

Die Zahl der an nordrhein-westfälischen Krankenhäusern beschäftigten Ärztinnen und Ärzte ist im vergangenen Jahr gestiegen, dennoch steuert das Land auf einen Ärztemangel zu. „Man darf nicht nur die Ärzte, sondern muss auch die Arbeitsstunden zählen“, kommentiert Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, die aktuelle Statistik des Statistischen Landesamtes.

Einer der Gründe für die Nachfrage nach Teilzeitstellen ist der wachsende Anteil der Ärztinnen in der Patientenversorgung, schon jetzt sind über 60 Prozent der Medizin-Studienanfänger weiblich: Ärztinnen sind oft auf Teilzeitarbeit angewiesen, um Familie und Beruf vereinbaren zu können; in Westfalen-Lippe hat gegenwärtig jede vierte Ärztin im Krankenhausbereich eine Teilzeitstelle. Doch auch männliche Mediziner nutzen verstärkt Kindererziehungszeiten und Teilzeitbeschäftigung. Die veränderte Lebens- und Berufsplanung, vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben und die Abwanderung in alternative Berufsfelder haben Auswirkungen auf den Personalbedarf in der Patientenversorgung: Nach Schätzungen der Ärztekammer Westfalen-Lippe braucht es derzeit rund 1.330 ärztliche Berufsanfänger, um 1000 aus der Patientenversorgung ausscheidende Ärzte zu ersetzen.

„Trotz höherer Beschäftigtenzahlen ist abzusehen, dass in Westfalen-Lippe zurzeit rund 600 Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern fehlen“, erläutert Dr. Windhorst. Aktuell müssten die NRW-Krankenhäuser deshalb auch mit unbesetzten Arztstellen immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit versorgen: Während laut Statistischem Landesamt die Zahl der Krankenhauspatienten 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent stieg, sank die Verweildauer von 2000 bis 2010 von 10,4 auf acht Tage. In der Zukunft werde sich die Personalnot auch außerhalb der Kliniken bemerkbar machen. „Der Landarztmangel fängt schon in den Kliniken an. Kolleginnen und Kollegen, die schon im Krankenhaus fehlen, können später auch nicht als niedergelassene Ärztinnen und Ärzte arbeiten.“