Würdiges Sterben mit palliativmedizinischer Versorgung - Windhorst: Ärzte sind keine Selbstmord-Gehilfen

Mit Vehemenz stellt sich der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. med. Theodor Windhorst, gegen aktuelle Vorschläge, das ärztliche Betätigungsfeld um eine so genannte Suizidbeihilfe zu erweitern. „Ich dachte, dieses unsägliche Thema der Sterbehilfe hätten wir hinter uns. Aber wenn der eine Hardliner aus Hamburg endlich schweigt, kommt von irgendwo ein anderer her.“ Windhorst kritisiert die neuerliche Diskussion, die der Mannheimer Medizinrechtler Dr. Taupitz mit seiner Forderung nach ärztlicher Sterbehilfe aufgebracht hat: „Wir Ärzte sind keine Selbstmord-Gehilfen. Das widerspricht unserem ärztlichen Ethos und unserem humanistischen Selbstverständnis.“

Taupitz’ These, Ärzte seien besonders für eine Hilfe beim Suizid qualifiziert, weil ihnen der Patient ja bekannt sei, sie deshalb am ehesten prüfen könnten, ob ein Mensch aus freiem Willen sein Leben beenden wolle und wie man diesen Wunsch mit entsprechenden Medikamente umsetze, widerspricht Kammerpräsident Windhorst. „Wir beenden kein Leben mutwillig. Unsere Aufgabe ist das Helfen und Heilen.“ Auch die Behauptung, der selbstbestimmte Tod sei für einen Patienten besser als ein fremdbestimmtes Leiden, kontert Windhorst: „Todkranke Patienten dürfen im Sterben nicht alleine gelassen werden. Ein Sterben in Würde und ohne Schmerzen muss oberste Priorität haben.“

Deshalb setze sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe auch seit langer Zeit für den Ausbau der Palliativmedizin ein. Windhorst begrüßt in diesem Zusammenhang auch die kürzliche Neuregelung der palliativmedizinischen Versorgung in der Region. Der zwischen den Gesetzlichen Krankenkassen in Westfalen-Lippe, den regionalen palliativmedizinischen Netzen und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe vereinbarte Vertrag sieht vor, dass Sterbende von ihrem Hausarzt betreut werden. Unterstützung erhält der Hausarzt durch die Vernetzung der palliativmedizinischen Versorgung in seiner Region.

Eine gute Palliativmedizin mit einer kompetenten Symptom- und Schmerzkontrolle bietet nach Ansicht von Dr. Windhorst die Möglichkeit, dem Patienten die Ängste vor dem Sterben zu nehmen, sodass er seinen bevorstehenden Tod leichter akzeptieren könne. Die ihm verbleibende Zeit solle der Sterbende so erfüllt wie möglich erleben. „Der Patient darf gar nicht auf die Idee kommen, sein Schicksal in die Hände von Suizid-Helfern zu legen. Das ist dann wahre Selbstbestimmung.“