Windhorst wirbt um Vertrauen in Transplantationsmedizin - Nur mehr Organspenden können Aussichten für verzweifelte Kranke auf der Warteliste verbessern

Der langfristige Erfolg von Organtransplantationen ist entscheidend von mehr Organspenden abhängig. Der große Mangel an Spenderorganen bewirkt, dass Patienten auf der Warteliste in Deutschland erst in sehr schlechtem Gesundheitszustand überhaupt in die Nähe einer lebensrettenden Transplantation kommen. „Die Wartenden auf der ,Schicksalsliste’ werden immer kränker, weil wir sie nicht mit Organen versorgen können. Ihre Aussichten könnten viel besser sein, wenn sie schon früher eine Chance auf ein Spenderorgan hätten“, ist Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, überzeugt. „Die Nachfrage nach Organen ist verzweifelt, die Warteliste muss endlich abgearbeitet werden.“

Unter Berufung auf die „Collaborative Transplant Study“, die internationale Daten zur Transplantationsmedizin zusammenträgt, berichtet der „Stern“ in seiner heutigen Ausgabe, dass transplantierte Patienten in Deutschland geringere Überlebenschancen hätten als in anderen europäischen Ländern. „Eine lange Warteliste und der Mangel an Spenderorganen führen dazu, dass auch nicht optimale Organe verpflanzt werden müssen, um den Patienten überhaupt helfen zu können“, erläutert Dr. Windhorst. Vorschnelle Kritik an den Kriterien der Organvergabe sei jedoch eine Gratwanderung, warnt der Kammerpräsident: „Es ist ein Akt der Menschlichkeit, Patienten auf der Warteliste eine Chance zu geben, wenn es ihnen schlecht geht.“ Erfolgaussichten und Dringlichkeit seien die in den Transplantationsrichtlinien festgelegten Gradmesser für eine Organverpflanzung.

Den Erfolg von Transplantationen mit Hilfe der „Collaborative Transplant Study“ international zu vergleichen, sei nicht unproblematisch, so Dr. Windhorst weiter. „Transplantationszentren aus 45 Ländern melden ihre Daten nur auf freiwilliger Basis.“ Einen umfassenden Überblick über Umfang und Erfolg von Organtransplantationen erwartet Windhorst hingegen vom deutschen Transplantationsregister, dessen Einrichtung bevorsteht. Das Register, an dem die Deutsche Stiftung Organtransplantation, Eurotransplant und die Deutsche Transplantationsgesellschaft beteiligt sind, werde verlässliche und klare Aussagen über langfristige Erfolge von Organverpflanzungen ermöglichen. Dieser Überblick sei wichtig, um nicht in der gegenwärtigen problematischen Situation voreilig Entscheidungen zu fällen.

Neben der strukturellen Weiterentwicklung sei die Wiederherstellung von Vertrauen die wichtigste Aufgabe im Bereich der Transplantationsmedizin. „Das System steht und fällt mit der Bereitschaft der Bevölkerung, Organe zu spenden. Diese Bereitschaft müssen alle Akteure im Gesundheitswesen mit Transparenz, Ehrlichkeit und Qualitätssicherung nach Kräften fördern.“ Dabei seien erste Erfolge zu verzeichnen: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung habe erst kürzlich berichtet, dass die Zahl der Menschen, die einen Organspendeausweis tragen, gestiegen sei. „Das ist ein wichtiges Signal.“