Windhorst wehrt sich gegen Vorverurteilung der Ärzte - Für Aufklärung, aber gegen eine "Kakophonie von Vorurteilen"

Für eine zügige Aufklärung des Sachverhaltes in der so genannten Ratiopharm-Affäre setzt sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe ein, wehrt sich aber gegen eine Vorverurteilung der Ärzteschaft. Außendienstmitarbeiter des Pharmaherstellers sollen nach staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bundesweit Ärzte mit Geld oder Sachleistungen bestochen haben, damit diese Medikamente von Ratiopharm verordnen. Auch Ärzte in Westfalen-Lippe sollen nach dem gegenwärtigen Sachstand betroffen sein.

„Ich wehre mich gegen die Kakophonie von Vorverurteilungen und Vorurteilen. Es ist ein beliebtes und immer wiederkehrendes Vorgehen, Ärzte als bestechlich oder raffgierig hinzustellen. Es passt ja auch gut ins Sommerloch. Aber so lange es keine endgültigen Erkenntnisse gibt, gilt für mich die Unschuldsvermutung. Und so lange stelle ich mich auch eindeutig vor die Ärzte in Westfalen-Lippe“, so Windhorst.

Natürlich werde die Ärztekammer die Kooperation mit den staatsanwaltschaftlichen Behörden nach Ende deren Ermittlungen suchen. „Wir verschließen unsere Augen nicht vor Realitäten. Wenn sich die Vorwürfe als haltbar erweisen, werden unsere Sanktionsmechanismen greifen. Schwarze Schafe werden sich nicht hinter der Ärztekammer verstecken können.“ Geldbußen in berufsgerichtlichen Verfahren können bis zu 50.000 Euro betragen. In der ärztlichen Berufsordnung gebe es klare Richtlinien für die Zusammenarbeit mit Dritten, um die  Wahrung der ärztlichen Unabhängigkeit und damit den Patientenschutz zu gewährleisten, so Windhorst. Demnach sei dem Arzt die Annahme von Werbegaben oder anderen Vorteilen untersagt, sofern der Wert nicht geringfügig ist.

Kammerpräsident Windhorst wehrt sich dagegen, das Berufsbild des Arztes schlecht zu reden. Die überwiegende Mehrheit der Ärzte arbeite redlich und leiste bei den 440 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten in den Praxen und 17 Millionen Fällen in Kliniken in Deutschland eine qualitativ hochwertige Medizin. „Wir dürfen in dem Arzt-Patienten-Verhältnis keine Kultur des Misstrauens entstehen lassen.“