Windhorst: Vernachlässigen Arbeitgeber Fürsorgepflicht? - Immer noch leisten 44 Prozent der Krankenhausärzte Überstunden ohne jeden Ausgleich

Fast jeder zweite Krankenhausarzt in Westfalen-Lippe bekommt weder Geld noch Freizeitausgleich für geleistete Überstunden: Das ist das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Befragung der Ärztekammer Westfalen-Lippe, an der sich über 1.100 Klinikärztinnen und –ärzte beteiligt haben. „Es ist erschreckend, dass sich seit Inkrafttreten des Arbeitszeitgesetzes im Jahre 2004 in vielen Krankenhäusern nichts an der Überstunden- und Arbeitsbelastung geändert hat“, ärgert sich Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Viele Krankenhäuser kommen als Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nicht nach und riskieren bewusst Gesetzesverstöße. Darunter leiden ihre Angestellten und letztlich die Patienten.“

Nur mit persönlichem Engagement der Ärzte lasse sich so manche Krankenhaus-Abteilung überhaupt weiter betreiben, beschreibt der Kammerpräsident die Situation. Nur 15 Prozent der Befragten bekämen für Mehrarbeit Vergütung und Freizeitausgleich. 44 Prozent könnten weder das eine noch das andere erwarten. „Diese Kolleginnen und Kollegen leisten durchschnittlich elf Überstunden pro Woche. Das entspricht bei einem Assistenzarzt einem monatlichen Geschenk von 800 bis 1500 Euro an den Arbeitgeber.“

Zur Arbeitsbelastung kommt in den meisten Kliniken bereits deutlich spürbarer Ärztemangel. Vier von fünf Befragten gaben an, dass in ihren Abteilungen durchschnittlich zwei Arztstellen unbesetzt seien. „Im Durchschnitt sind diese Stellen bereits seit sieben Monaten frei“, erläutert Dr. Windhorst. „Offenbar gibt es in den Kliniken einen direkten Zusammenhang zwischen guten Arbeitsbedingungen und der Chance, Nachwuchsärzte zu rekrutieren.“

Neben der Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften fordert die Ärztekammer deshalb die Krankenhaus-Arbeitgeber auf, Mehrarbeit vollständig zu erfassen und vor allem endlich gerecht auszugleichen. Sorgen macht der Kammer die Arbeitsbelastung nicht zuletzt unter dem Aspekt der Weiterbildung junger Ärzte: „Dafür bleibt im immer dichteren Routinebetrieb immer weniger Zeit. Doch ohne fundierte Weiterbildung lässt sich die hohe Qualität der Patientenversorgung nicht aufrecht erhalten.“

Hinweis für Redaktionen: Ergänzendes Material zur Umfrage erhalten Sie von der Pressestelle der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Tel. 0251 929-2103.