Windhorst: Transplantationsbeauftragte von Routine entlasten - Organspende leidet auch unter Ressourcenmangel im Krankenhaus

Ärztekammer und Deutscher Stiftung Organtransplantation Ärzte und Pflegepersonal im Rahmen eines Fortbildungscurriculums der Bundesärztekammer mit Fragen der Organspende beschäftigte.

Obwohl es schon seit längerem gesetzliche Pflicht sei, einen Transplantationsbeauftragten zu bestellen, hätten dies noch immer nur rund zwei Drittel der dafür infrage kommenden Kliniken getan, bedauerte der Ärztekammer-Präsident. „In den Häusern, in denen bereits ein Arzt diese Aufgabe übernimmt, leidet die Tätigkeit zudem oft unter dem Zeitmangel der täglichen Routine.“ Denn die Transplantationsbeauftragten, so Dr. Windhorst, bildeten sich nicht nur freiwillig fort, sondern leisteten die Betreuung von poten-ziellen Organspendern und deren Angehörigen in der Regel zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit. „Ich appelliere deshalb an die Kliniken, ihren Transplantationsbeauftragten mehr Freiräume zu schaffen und sie von Routine-Aufgaben zu entlasten, auch wenn dies mit Kosten verbunden sein mag.“ Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Förderung der Organspende sei die zusätzliche Installation von „Inhouse-Koordinatoren“: In diesem Modell übernehme die Deutsche Stiftung Organtransplantation die Kosten für Betreuungs- und Dokumentationsdienste, die Ärzte an den Kliniken rund um eine Organspende erbringen. „Diese Möglichkeit sollte von den Kliniken im Land noch stärker genutzt werden.“

Mit 256 Organspendern stellten in NRW im Jahr 2010 etwa so viele Menschen wie im Vorjahr Organe zu Verfügung. „Damit liegt Nordrhein-Westfalen unter dem Bundes-durchschnitt“, verdeutlicht Kammerpräsident Windhorst, dass NRW mit seinen leistungs-fähigen Transplantationszentren ein „Organ-Importland“ ist. „Die Entscheidung über eine Organspende kann jeden treffen. Es ist besser, sich frühzeitig Gedanken darüber zu machen“, wirbt Windhorst deshalb für eine „Entscheidungslösung“ der Organspende-Frage: Jeder Bundesbürger, so seine Forderung, solle seine Einstellung zu einer Organspende dokumentieren. „Das ist ein Gebot der Menschlichkeit, denn es erleichtert vor allem auch die Situation von Angehörigen potenzieller Spender, die in einem Augenblick von Abschied und tiefster Trauer nach ihrer Entscheidung für oder gegen eine Spende gefragt werden.“ Jeder Bürger, fordert Windhorst, solle beizeiten seine Persönlichkeitsrechte wahrnehmen und sich selbst zu einer Organspende äußern. „Denn wenn keine autonome Entscheidung vorliegt, ist in unserem System eine Fremdentscheidung gefordert.“