Windhorst: Erklärungslösung bedeutet Wahrnehmung des Selbstbestimmungsrechts - Einmal im Leben für Organspende entscheiden

Für die Informations- und Erklärungslösung, bei der sich jeder Bürger nach entsprechend ausführlicher Information für oder gegen eine Organspende entscheidet, hat sich erneut der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, ausgesprochen. Anlässlich der Debatte des Gesundheitsausschusses des Bundesrates über das neue Transplantationsgesetz am (morgigen) Mittwoch in Berlin sagte Windhorst, eine solche Entscheidung für oder gegen eine Organspende

Windhorst spricht von einer „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“, bei der alle Beteiligten daran arbeiten müssten, das Organmangel-Problem gemeinschaftlich anzugehen. „Dies geht nur mit einem Bündel an Maßnahmen, das eine breitere Information der Bevölkerung, eine stärkere Verankerung des Themas Organspende in den Krankenhäusern sowie möglicherweise eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen umfasst.“ Die Politik sei aufgefordert, ihrer Verantwortung für die Daseins- und Gesundheitsfürsorge für die Bürger nachzukommen, „ganz besonders für die hilflosen Menschen auf der Warteliste“. Die Kliniken müssten ihre gesetzliche Aufgabe erfüllen und entsprechende Ressourcen für die Organspende sowie die geforderten Transplantationsbeauftragten bereitstellen. Und die Bürger sollten, so Windhorst weiter, „in unserem solidarischen Gesundheitssystem sowohl die Notwendigkeit der Lebensrettung schwerstkranker Menschen als auch die Wahrnehmung der postmortalen Würde und des Selbstbestimmungsrechts jedes Einzelnen berücksichtigen“.

Jeder Mensch könne sich etwa bei dem Verfassen einer Patientenverfügung auch zum Thema Organspende äußern. „Damit wird das Selbstbestimmungsrecht des Patienten aus der Verfügung mit der Organspende in einer Art dualen Entscheidung verbunden.“

Nach wie vor sei die Organspende in Deutschland von einem massiven Mangel geprägt, es würden dringend benötigte Spenderorgane aus anderen Ländern eingeführt. Keine der bisherigen Bestrebungen, die Zahl der Organspenden signifikant zu erhöhen, hätten bislang ausreichenden Erfolg gehabt, so Windhorst. Immer noch warteten über 12.000 Menschen in Deutschland auf neue Organe. Die Entwicklung der Organspendezahlen in Nordrhein-Westfalen stagniere derzeit bei etwa 250 Spenden pro Jahr. Mit 14,3 Organspendern auf eine Million Einwohner liege NRW 2010 im Vergleich der Bundesländer deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 15,3 Organspendern pro Million Einwohner. Der Kammerpräsident macht auch auf die Diskrepanz aufmerksam, dass zwar 80 Prozent der Bevölkerung sich in Umfragen positiv zur Organspende äußerten, aber nur 14 Prozent auch einen Spenderausweis mit sich führten. „Dabei sterben pro Tag drei Menschen auf der Warteliste“, so Windhorst.

Die moralisch-ethische Basis für die Organspende sei die bewusste Hilfe für den Nächsten über den irreversiblen Hirntod hinaus. Die medizinisch-ethische Basis ist laut Windhorst der sicher diagnostizierte Hirntod. Die Hirntoddiagnostik stehe am Ende einer Intensivtherapie, wenn der Ausfall der Hirnfunktion nicht mehr umkehrbar sei. Die Sicherheit und Verlässlichkeit der Methode erforderten, dass alle Untersuchungen laut Transplantationsgesetz jeweils von zwei dafür qualifizierten und neutralen Ärzte-Teams durchgeführt werden, die weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe beteiligt seien. Es gebe nach Auffassung der Bundesärztekammer keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die dieses Hirntodkonzept in Frage stellten. Eventuelle Zweifel der Bevölkerung müssten jedoch ernst genommen werden. „Mit Information und Erklärung kann man hier Ängste und Vorbehalte abbauen“, so Windhorst.