Westfälischer Ärztetag: Durch Kooperation in der Patientenversorgung dem Ärztemangel entgegenwirken - Windhorst: „Wir brauchen in der Zusammenarbeit narbenfreie Nahtstellen“

Der Ärztemangel darf die Patientenversorgung nicht beeinträchtigen. Um dies zu verhindern, benötigt das Gesundheitswesen eine Neudefinition der Arbeitsfelder. Dabei sollten sich die einzelnen Professionen nicht gegeneinander aufstellen, sondern die eigenen Kernkompetenzen ordnen und dann in ein Miteinander einfügen. Es gilt, die schlechten Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem zu verbessern, damit sich alle Beteiligten wieder direkt dem Patienten widmen können. So lautet das Fazit des vierten westfälischen Ärztetages aus Sicht der veranstaltenden Ärztekammer Westfalen –Lippe (ÄKWL). Unter dem Titel „Patientenzentrierte Medizin im Team: Versorgung sichern durch Kooperation“ beschäftigte sich der Ärztetag mit der Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe. Der Präsident der ÄKWL, Dr. Theodor Windhorst, hatte sich bereits im Vorfeld der Veranstaltung für die Verbesserung der Patientenversorgung durch das Zusammenwirken aller Beteiligten eingesetzt und eine „Kooperation in multiprofessionellen Teams“ gefordert.

„Wir brauchen keine Schnittmengen der einzelnen Gesundheitsberufe. Was wir brauchen, sind narbenfreie Nahtstellen“, so Windhorst. „Der medizinische Alltag ist komplex geworden, Bedarf, Anforderungen und Möglichkeiten wachsen durch die Demographie und den technischen Fortschritt. Es gibt deshalb keine Alternative zu einer patienten-zentrierten multiprofessionellen Versorgung.“ Natürlich habe jede Profession ihren eigenen Blickwinkel, aber die hochqualifizierte Versorgung des Patienten und seine Sicherheit müssten immer im Fokus stehen. „In der ärztlichen Tätigkeit, in der Pflege, in der Nachbetreuung der Patienten müssen wir die Attraktivität der einzelnen Berufe erhöhen und die Berufsfelder auch ständig weiterentwickeln.“ Dazu gehöre auch, entsprechend weitergebildete Fachkräfte wie die Entlastende Versorgungsassistentin, die auf Basis ärztlicher Delegation arbeite, „fair, also besser“ zu bezahlen.

Bei der Neubestimmung einzelner Gesundheitsfachberufe komme es sicherlich auch zu kontroversen Einschätzungen, aber darüber dürfe man das gemeinsame Ziel der guten Versorgung nicht aus den Augen verlieren. „Wir können und müssen uns darüber unterhalten, ob eine neue akademisierte Zwischenebene in den Versorgungsabläufen wirklich der Patientenversorgung dient. In dieser Diskussion dürfen wir die Bedürfnisse der Patienten nicht vergessen. Wir müssen die Aufgabengebiete der neuen Berufsfelder wie Physician Assistent oder Case Manager an den Versorgungsbedarf anpassen, nicht umgekehrt. Wo und wie können sie am besten, authentisch und unter Berücksichtigung der ärztlichen Verantwortung für Diagnostik und Therapie in den Versorgungsprozess integriert werden?“

Windhorst abschließend: „Der vierte Westfälische Ärztetag war der Startschuss dafür, dass die Verantwortlichen aufeinander zugehen, um die Gesundheitsberufe neu zu definieren, für den Patienten transparent abzugrenzen und zu bewerten. Es gibt noch viel zu tun. Packen wir’s an.“