"Weil Veilchen nicht gleich Veilchen ist" - Kammer unterstützt Initiative aus der Stadt Münster und dem Kreis Steinfurt - Bei häuslicher Gewalt sind auch Ärzte gefragt

Häusliche Gewalt gehört zu den größten Gesundheitsrisiken für die Schwachen in unserer Gesellschaft: Frauen, Kinder und ältere Menschen. "Deshalb ist es erforderlich, dass Arztpraxen und Notfallambulanzen Gewalt als Ursache von Beschwerden bei Patientinnen und Patienten erkennen und das thematisieren. Denn die Betroffenen selbst sind oft über Jahre unfähig, über das Erlebte zu sprechen", so Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Die Kammer greift eine Initiative aus der Stadt Münster und dem Kreis Steinfurt auf und wendet sich mit einer Informations- und Plakataktion an Praxen und Ambulanzen. Plakate und Schriften sollen Frauen darin bestärken, das Schweigen über Gewalterfahrung zu brechen. Die Ärzteschaft ist zu einer Fachtagung eingeladen.


"Weil Veilchen nicht gleich Veilchen ist", haben der Runde Tisch Häusliche Gewalt im Kreis Steinfurt und der Arbeitskreis Gewaltschutzgesetz Münster ihr Plakat betitelt, das an Hunderte Praxen verschickt worden ist. "Praxen und Ambulanzen sind die ersten und oft die einzigen Stellen, an die sich Frauen wenden können, wenn sie Gewalt erlitten haben. Sie sind somit häufig die ersten Fachleute, bei denen Frauen Hilfe suchen", sagt Ärztekammer-Präsident Windhorst.


Häusliche Gewalt und Gewalt in Beziehungen umfasst viele Formen körperlicher, sexualisierter und seelischer Gewalt. Häufig treten verschiedene Formen von Gewalt zusammen auf. Schätzungen zufolge haben insgesamt 22 Prozent aller Frauen geschlechtsbezogene Gewalt mit Folgen für ihre Gesundheit erlitten. In der Literatur finden sich Angaben, dass zehn bis 15 Prozent der Kinder Opfer von Misshandlungen sind. Die Polizeiliche Kriminalstatistik zählt jährlich über 3.500 Fälle von Kindesmisshandlung, laut Deutscher Kinderhilfe sterben jährlich etwa 150 Kinder an den Folgen von Gewalt und Misshandlung. Schätzungen gehen davon aus, dass sieben Prozent der älteren Bevölkerung häusliche Gewalt erfahren. Die Initiatoren der "Veilchen-Kampagne" verfolgen in ihren Bereichen das gemeinsame Ziel, betroffenen Frauen und Kindern wirksam zu helfen und den oft jahrelangen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.


"Das Thema „Häusliche Gewalt / Gewalt gegen Frauen“ ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Arbeit von Gleichstellungsbeauftragten. Mit Verabschiedung des Gewaltschutzgesetzes haben sich im Kreis Steinfurt und der Stadt Münster Netzwerke gebildet. Es handelt sich um Zusammenschlüsse von Fachkräften ortsansässiger Beratungsstellen, Einrichtungen und Institutionen“, so Claudia Welp vom Frauenbüro der
Stadt Münster und Anni Lütke Brinkhaus als Vertreterin des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt im Kreis Steinfurt. Die Netzwerke arbeiten seit über 15 Jahren, um dem öffentlichen Schweigen zum Thema „Gewalt“ entgegenzuwirken. Regelmäßig werden von beiden Netzwerken Infoschriften herausgegeben, Kampagnen und Fachtagungen durchgeführt.


„Im Zusammenhang mit dieser Plakataktion plant der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt im Kreis Steinfurt am 29. Oktober 2014 eine Fachtagung mit der Ärzteschaft durchzuführen. Eine gesonderte Einladung zu dieser Fachtagung wird die Arztpraxen rechtzeitig erreichen“, so Anni Lütke Brinkhaus.


Notfallkarten und weiteres Info-Material können angefordert werden bei: Claudia Welp
0251 / 492-1702 Email: frauenbuero@stadt-muenster.de oder unter der Telefon-Nr.
02551 / 69-2116 bzw. per Email: anni.luetke.brinkhaus@kreis-steinfurt.de.