Weg mit dem Numerus clausus - Windhorst: Ärztliche Nachwuchsförderung ist nicht unbedingt nur Geldsache

Auf den drohenden Ärztemangel darf nach Ansicht des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, nicht nur mit dem Ruf nach mehr Geld reagiert werden. Die derzeitige Vergütung von Krankenhausärzten und Niedergelassenen sei ohne Zweifel nicht ausreichend und das gesamte Gesundheitswesen werde von einem chronischen Finanzmangel beherrscht, so der Kammerpräsident. Doch die alleinige Forderung, die finanziellen Mittel für die Gesundheitsversorgung aufzustocken und die Ärzteschaft besser zu honorieren, genüge nicht, um dem zukünftigen Mangel an Ärzten entgegenzuwirken. „Die ärztliche Nachwuchsförderung ist nicht unbedingt nur Geldsache.“

Windhorst spricht sich dafür aus, auch die Ausbildungsbedingungen für Medizinstudenten zu verbessern. Es kommen nach seiner Aussage zu wenig Jungmediziner in der kurativen Medizin an, diesen Weg gingen nur noch fünf Prozent der Medizinstudenten. 70 Prozent der Studenten überlegten während ihrer Ausbildung, später ins Ausland zu wechseln, insgesamt 19.000 Jungmediziner seien in den letzten Jahren bereits über die Grenzen abgewandert. „Wir brauchen einfach mehr gute junge Leute, die bereit sind, sich den Patienten zu widmen. Wir benötigen eine größere Quantität an medizinischer Qualität. Dafür müssen wir den Weg ebnen.“

Dies beginne bereits bei der Auswahl der Medizinstudenten. Die Abiturnote, so Windhorst, dürfe nicht die einzige Zugangsbedingung bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen sein. „Persönliche Eignung, Leistungsbereitschaft und Begeisterung für den Arztberuf müssen berücksichtigt werden. Eine Schulnote sagt zum Beispiel nichts über die Teamfähigkeit eines Menschen aus. Im Arzt-Patientenverhältnis ist nämlich der Aufbau von menschlichen Beziehungen ungemein wichtig.“

Nach den Vorstellungen des Kammerpräsidenten sollten die Universitäten zunächst weit mehr als die Hälfte der Studierenden nach Eignung und Leistung auswählen. Aufgrund einer Änderung des Hochschulrahmengesetzes im Jahr 2004 können die Hochschulen 60 Prozent der Studienplätze nach eigenen Kriterien in einem eigenständigen Auswahlverfahren besetzen, nur noch 40 Prozent der Studienplätze sollen nach Abiturnote vergeben werden. Wenn sich dieses Vorgehen bewähre, könnte der Numerus clausus in einem zweiten Schritt abgeschafft werden.


An den Universitäten müssten die Studenten dann auch gute Studienbedingungen vorfinden. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Studienplätze für Medizin habe sich in den vergangenen Jahren um 30 Prozent reduziert. Windhorst kritisiert in diesem Zusammenhang auch, dass laut Statistischem Bundesamt seit 2003 die Grundmittel pro Studieren-den der Humanmedizin um zwölf Prozent zurückgegangen sind. Von den Ländern wür-den immer weniger Investitions-Mittel für die Hochschulmedizin bereitgestellt.

„Die Qualität der medizinischen Ausbildung wird durch eine schleichende Unterfinanzierung bedroht. Wir dürfen hier nicht an der falschen Stelle sparen und müssen die Ab-wärtsspirale bei der Finanzierung der Ärzteausbildung aufhalten.“ Kammerpräsident Windhorst setzt sich dafür ein, die Finanzierung der ärztlichen Studienplätze langfristig zu sichern, um die Wettbewerbsfähigkeit und die medizinische Versorgung auf hohem Leistungsniveau zu erhalten.