Vorsicht bei grünen Plänen zum Umbau des Gesundheitssystems - Windhorst warnt: Primäre Patientenversorgung gerät unter den Hammer

 

Münster, 7. Oktober 2011    55/11_hei

Die Pläne der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen für eine Neugestaltung der Gesundheitsversorgung stoßen bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe auf Kritik. Für deren Präsident Dr. Theodor Windhorst führt der Änderungsantrag der grünen Opposition zum Versorgungsstrukturgesetz zu einer „Verschlimmbesserung der Patientenversorgung durch Falschinterpretation der Patientenbedürfnisse“. Dadurch gerate die Qualität insbesondere der Primärversorgung vor Ort unter den Hammer.

Die grüne Bundestagsfraktion fordert in ihrem Antrag „Wirksame Strukturreformen für eine patientenorientierte Gesundheitsversorgung“ die Bundesregierung auf, den Entwurf für das Versorgungsstrukturgesetz zurückzuziehen und schlägt Eckpunkte für eine grundsätzliche Neuformulierung heilkundlicher Aufgaben innerhalb der ärztlichen und nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe vor. Damit wollen die Grünen das Gesundheitssystem radikal verändern, indem etwa die Aufgaben zwischen Ärzten und anderen Gesundheitsberufen neu aufgeteilt werden. So sollen zum Beispiel Pflegefachkräfte ein Medizinisches Versorgungszentrum leiten dürfen.

„Wir müssen das Rad der Gesundheitsversorgung nicht neu erfinden“, sagt Kammerpräsident Windhorst dazu. „Vielmehr führt der Plan der Grünen zu eckigen Rädern. Fachärztlicher Qualitätsstandard kann nur durch Fachärzte erreicht werden. Alles andere senkt die Qualität der Patientenversorgung.“ Aus seiner Sicht werden Patienten- und Selbsthilfegruppen solch einen Radikalumbau des Gesundheitssystems ablehnen müssen, weil sie „zu Recht eine Absenkung des Versorgungsniveaus“ befürchten.

Jeder Patient habe Anrecht auf eine medizinische Versorgung mit dem Niveau des Facharztstandards, sagt Windhorst. Es gebe den unverrückbaren Grundsatz der Einheitlichkeit des Arztberufes in Diagnostik und Therapie. Am einheitlichen Berufsbild des Arztes dürfe auch nicht gerüttelt werden, wenn es um eine Neuverteilung von Aufgaben gehe. Die teamorientierte Kooperation von Ärzten und Angehörigen anderer medizinischer Fachberufe müsse im Sinne einer guten und effektiven Patientenversorgung besser organisiert werden, so Windhorst.

Das Zutrauen der Patienten in die Versorgung dürfe nicht erschüttert werden. Das Gesundheitsbarometer 2010 von Ernst & Young habe gezeigt, dass 87 Prozent der Bundesbürger die Gesundheitsversorgung in ihrer Region positiv bewerten, im Vorjahr waren es 85 Prozent. Die besten Noten bekamen die praktischen Ärzte: Insgesamt 92 Prozent der Befragten bezeichnen die medizinische Versorgung bei praktischen Ärzten als gut oder eher gut. Nur geringfügig schlechter schnitten Fachärzte mit 90 Prozent positiven Bewertungen ab. Krankenhäuser erhielten von 87 Prozent gute oder eher gute Noten. Windhorst: „Dieses Vertrauen können wir nicht aufs Spiel setzen.“