Versorgungsstrukturgesetz versus ärztliche Freiberuflichkeit - Die Unabhängigkeit der ärztlichen Tätigkeit garantiert eine hochwertige Patientenversorgung

Die Freiberuflichkeit des Arztes ist eine unabdingbare Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Staatliche Eingriffe in die unabhängige ärztliche Berufsausübung gefährden die medizinische Versorgung der Patienten. Der freie Beruf des Arztes muss besonders vor Reglementierung und Begrenzung geschützt werden. Dies fordert der Vorstand der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Es habe sich in der Vergangenheit bewährt, dass Ärzte fachlich unabhängig und immer eigenverantwortlich arbeiteten. Gehe aber dem freien Beruf Arzt immer mehr Unabhängigkeit verloren, sei das Gesundheitswesen bedroht, warnt die Ärztekammer.

Ärztliche Tätigkeit in einem freien Beruf beruhe auf der professionellen Autonomie mit ethisch begründeten Normen und Werten, dies auf der Basis hoher fachlicher Kompetenz und unter Berücksichtigung der Individualität des Patienten, verbunden mit Leistungs¬bereitschaft, Integrität und Verschwiegenheit. „Diese moralisch-ethische Basis wollen wir uns auch von immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen nicht kaputt machen lassen“, sagt dazu der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst. Staatliche Stellen übten lediglich eine Rechtsaufsicht aus, die fachliche Aufsicht sei aus gutem Grund Sache der ärztlichen Selbstverwaltung. „Unter diesen besonderen Bedingungen machen Ärzte nicht nur einen Job, sondern fühlen sich mit ihrer Arbeit ausdrücklich dem Gemeinwohl verpflichtet und sichern so eine funktionierende Gesundheitsversorgung für alle Bürger.“

Die Unabhängigkeit des Arztes garantiere zudem, dass er für seine Patienten eine Schutzfunktion wahrnehmen könne. Weil zunehmend wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund rückten und die Sozialgesetzgebung immer detaillierter in Praxen und Kliniken hineinregiere, sei diese Motivation jedoch bedroht, kritisiert Windhorst. Er warnt davor, dass aus dem „international vorbildlichen Gesundheitswesen in Deutschland“ längst eine regulierte Gesundheitswirtschaft geworden sei. Statt einer Patientenversorgung nach bestem medizinischem Standard werde von Ärzten heute vor allem eine möglichst wirtschaftliche Behandlung erwartet.

Windhorst: „Freiberufler wie die Ärzte leben von ihrer individuellen, hochqualifizierten Leistung und dem Vertrauen, das sie sich damit in der Bevölkerung erworben haben.“ Dieses Vertrauen in das Gesundheitssystem werde durch Umfragen auch immer wieder bestätigt. Zuletzt durch das Gesundheitsbarometer 2010 von Ernst & Young, wonach 87 Prozent der Bundesbürger die Gesundheitsversorgung in ihrer Region positiv bewerten, im Vorjahr waren es 85 Prozent. Die besten Noten bekamen die praktischen Ärzte: Insgesamt 92 Prozent der Befragten bezeichnen die medizinische Versorgung bei praktischen Ärzten als gut oder eher gut. Nur geringfügig schlechter schnitten Fachärzte mit 90 Prozent positiven Bewertungen ab. Krankenhäuser erhielten von 87 Prozent gute oder eher gute Noten. Alle drei Gruppen wurden, so Windhorst, „trotz dauernder negativer Diskussionen sogar etwas besser bewertet als im Vorjahr“.

„Dieses Vertrauen und diese Zufriedenheit setzen wir gerade aufs Spiel“, so Windhorst. Vor dem Hintergrund zunehmender Verstaatlichung des Gesundheitswesens komme es zu einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen ärztlicher Berufsausübung. Eine zunehmende Trivialisierung und Diskreditierung des Arztberufes, überbordende Regulierungsdichte, stetig steigende Bürokratisierung und gleichzeitig wachsender ökonomischer Druck schränkten die ärztliche Therapiefreiheit immer mehr ein. Windhorst: „Freiheit bei der ärztlichen Entscheidung ist jedoch wesentliche Voraussetzung für die Sicherung einer hochwertigen und an den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientierten Gesundheitsversorgung.“ Ein Arzt, der frei über eine individuelle Therapie entscheiden könne, sei für den Patienten die Garantie für eine seinen Bedürfnissen entsprechende Behandlung. Denn der Arzt in einem freien Beruf orientiere sich an dem jeweils notwendigen Versorgungsbedarf des Patienten und nicht an vorgefertigten staatlichen, meist ökonomisch motivierten Vorgaben.