"Unsoziale Entscheidung revidieren" - Ärztekammer: Kostenpflichtige Notfall-Nummer abschaffen

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) will sich in einem Spitzengespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) dafür einsetzen, die gebührenpflichtige Telefonnummer des neuen Notfalldienstes wieder abzuschaffen und eine kostenfreie Nummer einzurichten. Dafür hat sich der Vorstand der ÄKWL einhellig ausgesprochen. „Es ist unsozial, für einen Anruf bei einem medizinischen Notfall auch noch Geld bezahlen zu müssen“, sagt Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst. Derzeit kostet ein Anruf bei der neuen Notfallnummer 0180 – 5044100 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz, mobile Anrufe kosten maximal 42 Cent pro Minute.

Windhorst weist darauf hin, dass sich die Kammer bereits bei der Planung der Notfalldienstreform gegen solch eine gebührenpflichtige Telefonnummer ausgesprochen hatte. Es wäre besser gewesen, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vorgeschlagene einheitliche und kostenfreie Bereitschaftsdienstnummer 116 117 zu verwenden. Aber die KVWL habe sich über die Bedenken und Wünsche der Kammer hinweggesetzt. Mögliche technische Schwierigkeiten bei dieser Nummer hätten sicherlich gelöst werden können, so Windhorst.

„Die Kritik an dem neuen Notfalldienst und hier insbesondere an der teuren Telefonnummer müssen wir ernst nehmen. Deshalb drängen wir darauf, diese Entscheidung zu revidieren.“ Das Gespräch mit dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe will Windhorst auch dazu nutzen, über weitere Probleme bei der Einführung des neuen Notfalldienstes zu sprechen. „Wir müssen klären, wo der Grund für Warteschleifen von fast einer Stunde bei den Anrufen liegt und warum es manchmal Stunden gedauert hat, bis ein Arzt im Notdiensteinsatz bei den kranken Menschen ankam. Das sind wir den Patienten schuldig.“