Umfrage nach Umfrage bestätigt den Ärztemangel - Mehr Ärzte braucht das Land - Windhorst fordert Kehrtwende im System: "Eine konzertierte Aktion ist längst überfällig"<br>

„Wie viele Umfragen brauchen wir noch, um endlich zu erkennen, dass der Ärztemangel in Praxen und Kliniken real und bedrohlich ist?“, fragt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst. Es folge Studie auf Studie, Untersuchung auf Untersuchung, alle kämen zum selben Ergebnis. Aber es tue sich nichts, kritisiert Windhorst. Vielmehr gebe es immer noch Institutionen, die den Ärztenotstand negierten und lediglich von einer falschen oder ungleichen Verteilung der Ärzte spreche. Der Kammerpräsident fordert deshalb eine konzertierte Aktion von Politik und ärztlicher Selbstverwaltung. „Die ist längst überfällig. Wir dürfen nicht länger die Augen vor diesem Problem verschließen und müssen gemeinsam handeln. Eine Kehrtwende im System hin zu einer Zuwendungsmedizin ist notwendig. Dafür benötigen wir einen ganzen Maßnahmenkatalog, das Drehen an einzelnen Stellschrauben reicht nicht aus.“

Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben nach Aussage Windhorsts etwa Ende letzten Jahres eine Studie zur Alterstruktur- und Arztzahlentwicklung vorgelegt. Noch neuer seien das Berufsmonitoring der KBV und der Universität Trier unter Medizinstudenten sowie aktuelle Studien von TNS Infratest und Marburger Bund. Windhorst dazu: „Alle Umfragen sagen eines aus: Mehr Ärzte braucht das Land.“

Er verlangt von der Bundespolitik, sich dieses dringenden Problems anzunehmen. „Manchmal hört man dazu aus Berlin passende Erkenntnisse und Aussagen, aber es fehlen die Taten, es fehlt die praktische Lösung.“ Hier sei die ärztliche Selbstverwaltung der richtige Partner, um das Problem anzugehen. „Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat in letzter Zeit nicht nur eigene Umfragen und Untersuchungen zur Situation an Krankenhäusern und in der Niederlassung erarbeitet. Wir benennen auch immer wieder mögliche Lösungen für das Problem des Ärztemangels.“

Dazu zählt Windhorst die Abschaffung des Regressrisikos für Niedergelassene, die Aufhebung der Präsenzpflicht für die Vertragsärzte, eine neue gerechte und faire Honorarregelung in neuen Gebührenordnungen für GKV und PKV sowie verbesserte Möglichkeiten, Familie und ärztlichen Beruf in Einklang zu bringen. Er fordert zudem neben einer bedarfsgerechten Versorgungsplanung auch die Entbürokratisierung des ärztlichen Alltags und den Abbau der zahllosen Überstunden in Kliniken, die bisher nicht angemessen ausgeglichen oder honoriert würden.

„Wir müssen die Wertschätzung der ärztlichen Arbeit wieder steigern. Ein Berufsfeld, über das ständig schlecht geredet wird, verliert seinen Nachwuchs. Wir müssen zurück zu einer Medizin mit genügend Raum für die Zuwendung zum Patienten“, fordert Windhorst in Richtung Politik.