Tag der Organspende: Bei Spenderzahlen nicht auf Stopp der Talfahrt ausruhen – Für aktive Dokumentation des Spenderwillens - Windhorst: Organspende rettet Leben

Anlässlich des (morgigen) Tages der Organspende dankt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, allen Menschen, die sich bereits mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt haben sowie jenen, die schon bereit waren, einen Organspendeausweis auszufüllen oder hoffentlich bald solch einen Ausweis bei sich tragen werden.

Die rapide Talfahrt bei der Organspende nach den Vermittlungsskandalen 2012 und 2013 ist nach Ansicht der ÄKWL zwar zwischenzeitlich gestoppt, aber „es wäre eine herbe Niederlage für die leidenden Patienten auf der Warteliste, wenn die Spendebereitschaft auf diesem erheblich niedrigeren Niveau als noch 2010 und 2011 perspektivlos stagniere“, erklärt Präsident Dr. Theodor Windhorst. „Weiterhin müssen über 10.000 Patienten in einer unmenschlichen passiven Situation auf eine lebensrettende und die Lebensqualität verbessernde Organspende warten. Den Wartenden bleibt nichts als die Hoffnung!“ Laut der Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat es im ersten Quartal dieses Jahres in Nordrhein-Westfalen sechs Organspenden weniger gegeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (2015: 42; 2016: 36). Bundesweit „verharrt die Transplantationsmedizin wegen fehlender Organe auf niedrigem Level“. (Windhorst)

Eine aktuelle Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin, wonach zwar über 80 Prozent der Befragten der Organspende positiv gegenüberstehen, aber nur ein Drittel einen Organspendeausweis besitzt, nimmt Kammerpräsident Windhorst zum Anlass, sich für die aktive Dokumentation seines Spenderwillens auszusprechen. Windhorst dazu: „Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist es den Angehörigen bei einer irreversiblen Hirnausfalldiagnostik so gut wie unmöglich, bei fehlendem Organspendeausweis über den mutmaßlichen Willen des Sterbenden zu entscheiden. In dieser schlimmen und belastenden Situation des Todes und des Abschiednehmens entscheiden sich über 50 Prozent der Angehörigen gegen eine mögliche Organspende, weil sie sich zu solch einer Entscheidung in diesem Moment nicht in der Lage sehen. Diese Entscheidung kann ihnen der potenzielle Organspender durch seinen ausgefüllten Ausweis im Sinne der Zustimmungslösung für den Fall abnehmen.“

In etwa der Hälfte der möglichen Fälle komme es zu keiner Organspende, weil der mutmaßliche Wille des Spenders nicht nur nicht niedergelegt, sondern den Angehörigen auch nicht bekannt sei. Laut DSO lehnen 26 Prozent der Angehörigen eine realisierbare Organspende bereits im Vorfeld einer irreversiblen Hirnausfalldiagnostik ab, ebenfalls 26 Prozent tun dies nach der irreversiblen Hirnausfalldiagnostik.

Windhorst: „Jeder Mensch ab 16 Jahre muss sich mit dem Thema der Organspende auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen. Auch ein Nein als Antwort ist dann zu respektieren. Von dem 4. Juni, dem Tag der Organspende, muss besonders in unserem größten Bundesland NRW eine deutliche Signalwirkung für eine Steigerung der Organspendezahlen ausgehen.“