Studien zu regionalen Unterschieden in der Gesundheitsversorgung - Windhorst: Interpretation der Leistungsverteilung in der Patientenversorgung ist eher Sache der Ärzteschaft

„Wenn es in der Patientenversorgung wirklich zu gewichtigen regionalen Unterschieden zu kommen scheint, müssen wir der Sache auf den Grund gehen.“ Dies erklärt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, vor dem Hintergrund der jetzt von OECD und der Bertelsmann-Stiftung vorgelegten Studien zu regionalen Unterschieden in der  Gesundheitsversorgung. OECD und Bertelsmann-Stiftung sehen darin ein klares Zeichen für Qualitäts-, Effizienz- und Gerechtigkeitsprobleme in der medizinischen Versorgung.

„Ob es wirklich gravierende Probleme durch manipulative Überversorgung oder vernachlässigende Unterversorgung sind, muss eine genaue Betrachtung ärztlicher Seite vor Ort zeigen“, so der Kammerpräsident. Bis dahin dürfe es keine Vorverurteilungen der Ärzteschaft geben. Auch sei es für eine Leitlinien-Kritik, wie sie nun vorgenommen werde, noch viel zu früh. Man dürfe dabei die individuelle Entscheidungsfreiheit des Arztes nicht in Frage stellen, betont der ÄKWL-Präsident. Die Studien sind nach seiner Ansicht eine „Darstellung der Leistungsverteilung, mit der man arbeiten kann und muss, um Fehlversorgung von Patienten zu vermeiden“.

Der Kammerpräsident sagt aber auch weiter: „Die versorgungsrelevante Interpretation der Zahlen sollte vor allem in der Hand der Ärzteschaft bleiben, weil wir die komplexen Zusammenhänge nachvollziehen können, die die Versorgung charakterisieren. Hier ist eine genaue Analyse und Sorgfalt bei der Interpretation dieser aufgearbeiteten Zahlenwerke angebracht. Durchschnittwerte können uns allenfalls einen ersten Denkanstoß geben. Als Messlatte zur Beurteilung einer guten Versorgung sind sie vollkommen ungeeignet. Geradezu hüten muss man sich, unreflektiert auf internationale Vergleiche Bezug zu nehmen. Denn vermeintlich niedrigere Operationszahlen sind alles andere als ein Zeugnis von Qualität, wenn sie aus Ländern stammen, die bspw. allein das Alter eines Patienten zum Ausschlussgrund für eine Operation machen oder in denen – wegen mangelnder eigener Kapazitäten – Patienten zum Operieren ins Ausland geschickt werden. Darüber hinaus dürfen Patienten mit Schnellschuss-Analysen nicht verunsichert werden. Wichtig ist eine fundierte Bewertung der regionalen Gegebenheiten, bei der abwägender ärztlicher Sachverstand das A und O ist.“

Die Selbstverwaltung der Ärzteschaft werde sich bei der Aufarbeitung der Sachverhalte nicht verschließen und begrüßt zunächst diese aufwendige Recherche, sagt Windhorst. Deshalb werde die ÄKWL auch den direkten Dialog mit der Bertelsmann-Stiftung suchen. „Wir nehmen schnellstmöglich Kontakt auf“, so Windhorst.