Stärkste Angst des Menschen: Falsche Hirntoddiagnostik - Windhorst: Die Transplantationsbeauftragten können es im Mehr-Augen-Prinzip

In der Debatte um die Hirntoddiagnostik verweist die Ärztekammer Westfalen-Lippe auf die Mehrfach-Kontrollen bei der Feststellung eines Hirntods vor der Entnahme von Spenderorganen. „Die medizinisch-ethische Basis für die Organspende ist und bleibt der sicher diagnostizierte Hirntod. Wenn an dem System der Beurteilung des Hirntods in der Bevölkerung Zweifel bestehen, müssen wir diese ernst nehmen und aufklären“, sagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst. „Wir haben gut geschulte Transplantationsbeauftragte in den Kliniken. Wir haben ein Mehr-Augen-Prinzip bei der Transplantation und wir haben die Kontrollen der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Dieses Mehr-Augen-Prinzip sorgt für Sicherheit und verhindert Fehlbeurteilungen.“

Mit den Ende 2012 beschlossenen Änderungen zum Transplantationsgesetz wurden bundesweit Transplantationsbeauftragte gesetzlich vorgeschrieben. In Nordrhein-Westfalen sind die Krankenhäuser schon seit 2007 durch das Krankenhausgestaltungs-gesetz zur Bestellung eines Transplantationsbeauftragten verpflichtet. Mittlerweile haben in Nordrhein-Westfalen 95 Prozent der Krankenhäuser mit Intensivbetten wenigstens einen solchen Beauftragten. Um die Transplantationsbeauftragten in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu unterstützen, bietet die ÄKWL mit einem Fortbildungs-Curriculum zur Transplantation, in dem auch speziell die Durchführung der Hirntoddiagnostik vermittelt wird, eine professionelle Qualifizierung für diese Tätigkeit an. „Hier schulen wir auf hohem Niveau und mit einer sehr hohen Erfolgsquote“, so Windhorst. Es werde das notwendige Fachwissen gelehrt, damit die Organspende als qualitätsgesicherte Prozedur in jedem Krankenhaus durchgeführt wird. Die Kammer setzt voraus, dass jeder Transplantationsbeauftragte diese Curriculum absolviert.

Die Hirntoddiagnostik ist nach Aussage Windhorsts, der auch Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer ist, das Ende der Intensivtherapie, wenn der Ausfall der Hirnfunktion nicht mehr umkehrbar ist. Dies sei, so der ÄKWL-Präsident, dann der Zeitpunkt, an dem die lebensverlängernden Maßnahmen gestoppt oder ein Organspende-Prozess eingeleitet würden. Die Sicherheit und Verlässlichkeit der Methode erforderten, dass alle Untersuchungen laut Transplantationsgesetz jeweils von zwei dafür qualifizierten und neutralen Ärzte-Teams durchgeführt werden, die weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe beteiligt seien. Es gebe nach Auffassung der Bundesärztekammer keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die dieses Hirntodkonzept in Frage stellten.

Schließlich verweist der Kammerpräsident auf die Kontrollen, die auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bei einer Organspende durchführt. Die DSO überprüft die Einhaltung der Richtlinien zur Organspende sowie die notwendigen Formalitäten wie etwa die korrekte Protokollierung eines Hirntods. Sie kümmert sich um die Entsendung eines Entnahmeteams.

Das gesamte strukturierte Verfahren funktioniere, so Windhorst, müsse aber auch konsequent und korrekt in den Kliniken angewendet werden. „Durch das Mehr-Augen-Prinzip können eventuelle Fehler Einzelner korrigiert werden. Bei diesem höchstsensiblen Thema in der Bevölkerung muss jedem Verdacht auf Fehlverhalten nachgegangen werden. Das richtlinienorientierte Verfahren trägt zur Sicherheit der Organspende und Vertrauensbildung in der Bevölkerung bei.“