Stabilisierung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient: Kammer macht Weg für Beschwerden übersichtlicher - Windhorst: Vorwurf eines Behandlungsfehlers muss objektiv und transparent verfolgt werden

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) erleichtert den Beschwerdeweg für Patienten, die einen ärztlichen Behandlungsfehler reklamieren wollen. Eine neue Informationsbroschüre der Gutachterkommission für ärztliche Haftpflichtfragen erläutert Patienten die Voraussetzungen und Schritte zur Überprüfung eines vermeintlichen Behandlungsfehlers und macht den Beschwerdegang somit übersichtlicher. Zudem können sich Patienten auch telefonisch unter der neu eingerichteten Servicenummer 0251-929-9100 an die Gutachterkommission wenden.

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) erleichtert den Beschwerdeweg für Patienten, die einen ärztlichen Behandlungsfehler reklamieren wollen. Eine neue Informationsbroschüre der Gutachterkommission für ärztliche Haftpflichtfragen erläutert Patienten die Voraussetzungen und Schritte zur Überprüfung eines vermeintlichen Behandlungsfehlers und macht den Beschwerdegang somit übersichtlicher. Zudem können sich Patienten auch telefonisch unter der neu eingerichteten Servicenummer 0251-929-9100 an die Gutachterkommission wenden.

„Wir wollen damit noch mehr Transparenz schaffen“, erklärt der Präsident der ÄKWL, Dr. Theodor Windhorst. „Unser Ziel ist es, den offenen Umgang mit potentiellen Falschbehandlungen zu fördern.“ Denn das bedeute nicht nur einen verbesserten Patientenschutz, sondern auch mehr Sicherheit für Ärzte. „Der Vorwurf eines Behandlungsfehlers muss objektiv und transparent verfolgt werden.“ Es gehe nicht darum, bei Auseinandersetzungen zwischen Patienten und Ärzten zugunsten der Ärzte einzugreifen und Ansprüche abzuwehren. Vielmehr solle die fachliche Unterlegenheit des Patienten ausgeglichen werden, um den berechtigten Aufklärungsanspruch sowohl des Patienten als auch des Arztes neutral zu berücksichtigen. Die Objektivität der Gutachterkommission werde dadurch gewährleistet, dass sie keine Abteilung der Ärztekammer, sondern eine eigenständige Einrichtung mit eigenem Statut sei.

In den letzten Jahren erkennt die Ärztekammer eine stetig steigende Patientensouveränität. Durch die Diskussionen um das neue Patientenrechtegesetz sei auch die öffentliche Wahrnehmung bei dem Thema Behandlungsfehler gestiegen. Dieses gewachsene Bewusstsein stelle neue Anforderungen an die Gutachterkommission. „Wir benötigen transparente Verfahren und eine gute Servicequalität“, sagt Windhorst. Belastbare objektive Begutachtungen müssten möglichst zeitnah erstellt werden. Es sei wichtig, für die im Streit liegenden Parteien eine Schadensbegrenzung zu erreichen. In diesem Zusammenhang betont Windhorst besonders die „hohe Befriedungsfunktion“ der Gutachterkommission. Eine Evaluation habe gezeigt, dass über 80 Prozent der Auseinandersetzungen durch die Kommissionsarbeit endgültig beigelegt werden konnten.

„Patientenschutz bedeutet gerade auch, dass Fehler nicht vertuscht werden. Vielmehr müssen festgestellte Fehler ausgewertet und zum Anlass genommen werden, das ärztliche Handeln stetig zu verbessern“, so Kammerpräsident Windhorst. Die hohe Arbeitsverdichtung in Kliniken und Arztpraxen sowie die wachsende Komplexität der heutigen Medizin machten moderne Fehlervermeidungsstrategien notwendig.

Er wünscht sich, dass die Ärzteschaft noch stärker als bisher zu einer „Kultur des Umgangs mit Fehlern“ komme. Zwischenfälle dürften nicht verschwiegen, sondern müssten offensiv aufgearbeitet werden. „Aus unserer Sicht gewinnen Risikomanagement und Fehlervermeidungsstrategien zunehmend an Bedeutung, damit es zu einer Stabilisierung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient kommt.“

Jährlich werden bundesweit etwa 11.100 Anträge bei den Gutachterkommissionen der Landesärztekammern bearbeitet. Die Gutachterkommission Westfalen-Lippe beschäftigt sich alljährlich mit etwa 1.400 Anträgen. Genau 1.425 Anträge wurden 2011 zur Bewertung eines eventuellen Behandlungsfehlers eingereicht. Dies sind drei Prozent mehr als im Vorjahr (2010: 1.384). Etwa 70 Prozent davon betreffen den stationären und 30 Prozent den ambulanten Bereich. 1.083 Anträge (2010: 1.107) wurden inhaltlich bewertet und mit einem gutachterlichen Bescheid abgeschlossen. Betroffen waren 1.266 Ärzte (2010: 1.273). In 1.056 Fällen (83,4 %) wurden ärztliche Fehlbehandlungen verneint. In 210 Fällen (16,6 %; im Vorjahr 13 %) ist hingegen auf der Basis zweier gutachterlicher Bewertungen ein Behandlungsfehler festgestellt worden.

 

Münster, 24. September 2012                   34/12_hei