„Sprechstunde Demenz: Patienten und Angehörige fragen, Ärzte antworten.“

Mit nahezu 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr sind die Demenzerkrankungen eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. In Münster sind derzeit etwa 3.500 Menschen von dementiellen Erkrankungen betroffen. Deren Zahl wird sich bis 2040 voraussichtlich verdoppeln. Die Demenz ist eine häufige, oft unterdiagnostizierte und schlecht verstandene Erkrankung. Diese Zahlen sind alarmierend. Deshalb führt der Arbeitskreis Demenz Münster, ein Zusammenschluss aller Akteure, die sich mit dem Thema Demenz in Münster beschäftigen, in Kooperation mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) die Veranstaltung  „Sprechstunde Demenz: Patienten und Angehörige fragen, Ärzte antworten.“ am 4. Oktober in Münster durch, um sich dem Thema Demenz ausführlich zu widmen.

„Vor diesem Hintergrund müssen die Strukturen in unserem Gesundheitswesen da-hingehend ausgebaut und optimiert werden, dass wir diese hohe Zahl an pflegebedürftigen Patienten wohnortnah versorgen können“, erklärt ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst. Dies werde nur professionenübergreifend und mit institutionalisierten Netzen möglich sein. „Vielfach existieren zwar gute Versorgungsmodelle, die aber nicht flächendeckend zur Verfügung stehen, so dass sie nur einem Teil der Betroffenen zu Gute kommen.“ Durch die fehlende Vernetzung der einzelnen Angebote komme es häufig zu Brüchen in der Versorgungskette. Ein besonderes Augenmerk müsse laut Windhorst bei der Begleitung und Unterstützung der pflegenden Angehörigen liegen. 70 Prozent aller Demenzkranken würden von ihren Angehörigen gepflegt. „Das heißt rund um die Uhr viel Kraft aufzubringen – die psychische Belastung dabei ist enorm hoch.“


Die Demenzbeauftrage der ÄKWL, Stefanie Oberfeld, Oberärztin am, Alexianer Krankenhaus Münster, sagt: "In einer so belastenden Situation gilt umso mehr: Wissen ist Macht. Nur wenn ich mich mit einem Thema auskenne, kann ich mich der Belastung stellen und ihr standhalten. Informationen müssen gebündelt vorliegen und nicht noch mühsam zusammengesucht werden.“ Die Münsteraner Veranstaltungen gebe Angehörigen und Betroffenen die Möglichkeit, sich über medizinische Zusammenhänge zu informieren und mit Fragen zu Pflege, Begleitung und Unterstützung auseinanderzusetzen.

„Neu aufgetretene Gedächtnisstörungen bedeuten bei weitem nicht gleich, dass eine beginnende Demenz vorliegt. Gedächtnisstörungen können auch durch andere Erkrankungen begründet sein, wie beispielsweise durch eine Depression, die sehr gut behandelbar ist“, meint Dr. Tilman Fey, Chefarzt der Abteilung für Gerontopsychiatrie an der LWL-Klinik Münster. „Um so wichtiger ist eine spezifische Diagnostik, nicht nur zur Klärung einer möglichen Demenzursache, sondern auch zum Ausschluss anderer Erkrankungen.“

„Demenzerkrankungen werden oft zu spät diagnostiziert. Einige Demenzerkrankungen sind nicht heilbar, aber alle sind behandelbar. Wir wollen in unserer Veranstaltung unter anderem über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Für den oft verbreiteten therapeutischen Fatalismus“besteht kein Grund!“, so Priv.-Doz. Dr. med. Th. Duning, Oberarzt der Klinik für Neurologie und Leiter der Gedächtnisambulanz des UKM.


Veranstaltungshinweis:
„Sprechstunde Demenz: Patienten und Angehörige fragen, Ärzte antworten.“
Samstag, 4. Oktober 2014, 9.00 – 12.45 Uhr, Stadtweinhaus, Prinzipalmarkt 8 – 9, 48143 Münster - Eintritt, Kaffee und ein Imbiss sind frei.