Resolution der Kammerversammlung: Masterplan 2020 als Grundstein für eine hochwertige medizinische Ausbildung

In der heutigen Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe hat das westfälisch-lippische Ärzteparlament nachfolgende Resolution zum Masterplan Medizinstudium 2020 ohne Gegenstimmen (bei einer Enthaltung) verabschiedet:

Resolution der Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe am 26.11.2016 in Münster

Masterplan 2020 als Grundstein für eine hochwertige medizinische Ausbildung

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe setzt sich für eine qualitativ hochstehende Ausbildung des medizinischen Nachwuchses ein, denn diese ist der Grundstein für eine hochwertige Versorgung der Patienten. Die Pläne der Bund-Länder-AG der Wissenschafts- und Gesundheitsminister zur Reform des Medizinstudiums, also der Masterplan 2020, kann und soll die Basis für eine Ausbildung der angehenden Ärztinnen und Ärzte sein, die die notwendige Qualität in der Patientenversorgung gewährleistet. Einem möglichst frühzeitigen Praxisbezug im Studium kommt eine entscheidende Bedeutung zu, angehende Ärztinnen und Ärzte müssen umfassend auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten vorbereitet werden.

Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe verabschiedet nachfolgenden Forderungskatalog zur Verbesserung der medizinischen Ausbildung:

1.Mehr Studienplätze! Heute gibt es weniger Medizinstudienplätze als Mitte der 90er Jahre. Diese künstliche Verknappung ist ein wesentlicher Grund für den Ärztemangel. Derzeit werden jährlich rund 10.600 Studierende zum Medizinstudium zugelassen, es müssten jedoch mindestens 16.000 Studienplätze pro Jahr zur Verfügung stehen. Der Versorgungsbedarf steigt, auch die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes und die geänderten Vorstellungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf einer neuen Ärztegeneration erfordern es, die ärztliche Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Die Bundesländer kommen mit der Schaffung neuer Studienkapazitäten nicht nach, sie erfüllen in diesem wichtigen Bereich der Daseinsvorsorge nicht ihre gesellschaftliche und gesundheitspolitische Verantwortung.

2.Andere Zugangsbedingungen zum Medizinstudium! Der Nachwuchs in der Patientenversorgung wird dringend benötigt, deshalb muss die derzeit zu starke Fokussierung auf die Abiturnote aufgegeben werden. Das Abitur sollte zwar Basis bleiben, aber die Note hat zu starkes Gewicht. Soziales Engagement und bereits abgeschlossene Ausbildungen in Medizinberufen müssen in einem neuen Kriterienkatalog stärker berücksichtigt werden. 

3.Stärkere Universitäten! Die Hochschulen müssen bei der Studienplatzvergabe gestärkt werden, sie haben die Möglichkeit, Studierende selbst auszuwählen. Es ist wünschenswert, dass sich die Universitäten dieser Verantwortung stellen und dabei den Aufwand für erweiterte Auswahlgespräche als Chance nutzen, um Studierende auszuwählen, die nach ihrer Ausbildung tatsächlich in der Patientenversorgung arbeiten, statt nach dem Studium sofort in alternative Berufsfelder oder ins Ausland abzuwandern.

4.Praktisches Jahr! Die Ärztekammer Westfalen-Lippe stellt fest: Pflichtteile im Praktischen Jahr, egal ob als Tertiale, Quartale oder Prüfungen, führen nicht zu einer Motivation für einen späteren Tätigkeitsbereich. Im Praktischen Jahr soll es auch eine Zeit der freien Orientierung geben. Es gilt darüber hinaus, die Allgemeinmedizin im Kanon der medizinischen Fächer zu stärken, denn die Allgemeinmedizin ist das Rückgrat der ambulanten Versorgung. Insbesondere müssen alle medizinischen Fakultäten über einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin verfügen.