Ratiopharm: Wenn es Vorwürfen ergeht wie Seifenblasen - Windhorst: Kriminalisierung der Ärzte schadet dem Verhältnis zum Patienten

In seiner Warnung vor schnellen Vorverurteilungen der Ärzteschaft in der so genannten Ratiopharm-Affäre sieht sich der Präsident der  Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, bestätigt. „Von einer Affäre kann keine Rede sein, wenn die zuständigen Staatsanwaltschaften nun reihenweise die Akten schließen. Kein Arzt in Westfalen-Lippe muss ein Strafverfahren erwarten. Kein Vorwurf der Bestechlichkeit war gerechtfertigt.“ Zu diesem Urteil sei auch der Leiter der Ermittlungsgruppe Betrug und Korruption im Gesundheitswesen bei der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt, Badle, in einem nichtöffentlichen Gutachten gekommen.

Es ist nach Ansicht des Kammerpräsidenten anscheinend zur Mode geworden, den Berufsstand der Ärzte bei vermeintlichen Skandalen zunächst unter eine Art Generalverdacht zu stellen. Verdächtigungen und Vorverurteilungen seien mit der Folge einer Kriminalisierung der Ärzte schnell ausgesprochen. „Die Reihe der angeblichen Arzt-Skandale ist lang, doch weder die Herzklappen-Affäre noch Ratiopharm oder andere Pseudo-Skandale haben jemals die Gerichte beschäftigt. Den Vorwürfen erging es immer wie den Seifenblasen: sie platzten.“

Windhorst kritisiert besonders, dass durch solche Skandal-Szenarien das Arzt-Patientenverhältnis nachhaltig beschädigt werde. Er wendet sich in diesem Zusammenhang auch entschieden gegen die Forderung nach einem staatlichen Korruptionsbeauftragen im Gesundheitswesen oder Schwerpunktstaatsanwaltschaften und KronzeugenRegelungen für Ärzte. Wer solche derzeit populistischen Vorschläge mache, „nimmt den Bruch des vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses in Zeiten des Bundestagswahlkampfes billigend in Kauf“.

Man dürfe das Berufsbild des Arztes nicht dauernd schlecht reden, so Windhorst. Darunter leide nämlich auch die Motivation des ärztlichen Nachwuchses. Die überwiegende Mehrheit der Ärzte arbeite redlich und leiste bei etwa 440 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten in den Praxen und 17 Millionen Fällen in Kliniken in Deutschland eine qualitativ hochwertige Medizin. Sollte es zu Verfehlungen kommen, werde die ärztliche Selbstverwaltung eingreifen. „Die Selbstreinigungskräfte in der Ärzteschaft funktionieren. Einzelne schwarze Schafe oder ganze Herden dulden wir nicht.“