Position der Ärzteschaft zur PID - Windhorst: Moderne Medizin mit ethischer Komponente verbinden

„Die Ärztekammer Westfalen-Lippe lehnt eine unbeschränkte Freigabe der Präimplantationsdiagnostik wie auch einen fest definierten Indikationskatalog ab“, formuliert der Präsident der Kammer, Dr. Theodor Windhorst, einen entsprechenden Beschluss des Ethik-Rates der Kammer. „Wir befürworten vielmehr die Normierung einzelner, wissenschaftlich und ethisch besonders begründeter Ausnahmen.“ Windhorst betont, jede Entscheidung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) müsse sowohl auf Seiten der Ärzte als auch auf Seiten betroffener Paare immer „als Gewissensentscheidung freiwillig sein und bleiben“.

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) begrüßt nach Aussage Windhorsts die Positionierung des Vorstandes der Bundesärztekammer (BÄK), der in einem Memorandum die medizinischen, ethischen und rechtlichen Argumente für eine begrenzte Zulassung der PID veröffentlicht hat. „Ich bin froh, dass sich die Bundesärztekammer bei der PID für begrenzte Einzelabwägungen ausspricht. Dies ist eine vorausschauende Entscheidung der BÄK, die der Position der Ärzteschaft in Westfalen-Lippe entspricht. So können wir moderne Medizin mit einer ethischen Komponente verbinden.“

Ziel sei es, Paaren mit einem hohen genetischen Risiko zu einer Schwangerschaft mit einem genetisch unbelasteten Embryo zu verhelfen. Eine angemessen medizinische, humangenetische sowie ethische und psychosoziale Beratung vorausgesetzt, könne die PID für Paare ermöglicht werden, die mit hohem Risiko eine Chromosomenstörung vererben, durch die der Embryo voraussichtlich nach der Geburt nicht lebensfähig sein würde. Auch für Paare mit hohem Risiko, ein Kind mit einer sehr schweren und nicht therapierbaren genetisch bedingten Erkrankung zu bekommen, sei die PID möglich.

Dies habe ganz und gar nichts damit zu tun, sogenannte Designerbabies zu kreieren, so Windhorst. Die Kammer lehne alle Mittel und Methoden ab, Paaren durch die PID zu einem „optimalen Nachwuchs“ zu verhelfen. Dies widerspreche einem Menschenbild, das auf Würde und Schutzwürdigkeit jedes Individuums ziele.

Vielmehr soll die Anwendung der Präimplantationsdiagnostik auf einen engen Personenkreis, z. B. genetisch belastete Menschen mit Kinderwunsch, Mütter mit vorangegangenen Totgeburten oder spontanen Aborten, beschränkt bleiben. Die ÄKWL wende sich auch gegen einen Katalog von Indikationen, nach denen eine PID möglich sein sollte. Windhorst: „Stattdessen fordern wir jeden Fall einzeln durch eine Sachverständigenkommission prüfen zu lassen, die nach ihrer Beratung eine PID befürworten könnte. In dieses Gremium sollten nicht nur Ärzte, sondern auch Juristen und Moraltheologen ihr Votum einbringen.“