Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Ärztekammer stellt neue Broschüre vor – Selbstbestimmung des Patienten auch in medizinischen Grenzsituationen

„Ich will auf keinen Fall an Schläuchen und Geräten hängen, wenn es mit mir einmal zu Ende geht!“ - Medizinische Grenzsituationen erfordern Entscheidungen: Wie handlungs- und entscheidungsfähig bin ich noch im Falle einer lebensbedrohlichen Verletzung, einer todbringenden Krankheit? Was soll an medizinischen Maßnahmen geschehen – oder eben auch nicht? Wie kann ich meinen Willen dokumentieren, wer kann in meinem Sinne handeln? Hilfe bei der Beantwortung solcher Fragen gibt die neue Broschüre „Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – Leitfaden für Patienten und Angehörige“, die die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) herausgibt.

„Vorab zu entscheiden, was mit einem selbst passiert, wenn man seinen Willen nicht mehr artikulieren kann, ist ein höchst sensibles Thema“, sagt ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst. „Letztlich geht es um das Selbstbestimmungsrecht des Patienten.“ Das Bestreben der Ärztekammer sei es, notwendige Informationen zusammenzustellen, die einerseits aus medizinischer Sicht eine fundierte Entscheidung zur Patientenverfügung erlauben, andererseits aber auch den Ärzten die notwendige Rechtssicherheit bei der Beratung der Patienten bieten. Denn es sei nicht einfach, schon heute Behandlungsentscheidungen für konkrete medizinische Situationen in der Zukunft zu treffen.

Windhorst: „Unsere neue Broschüre soll bei der Entscheidung für Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht hilfreich sein, aber auch unsere Ärzte bei der Umsetzung des verfügten Behandlungswillens unterstützen. Wir möchten den Menschen eine Entscheidungshilfe an die Hand geben, damit sie das Recht auf Selbstbestimmung aktiv wahrnehmen, indem sie möglichst präzise und differenziert ihren zukünftigen Behandlungswillen in einer schriftlichen Verfügung formulieren. Die Broschüre soll zudem Möglichkeiten aufzeigen, wie man eine Person seines Vertrauens bevollmächtigt, im eigenen Sinne Entscheidungen zu treffen.“

Es sei wichtig, so Windhorst, dass dem Verfassen einer Patientenverfügung eine ärztliche Beratung voraus gehe. Der Arzt könne über die medizinisch möglichen und indizierten Behandlungsmaßnahmen informieren, auf die mit Prognosen verbundenen Unsicherheiten aufmerksam machen und über seine Erfahrungen mit Patienten berichten, die sich in vergleichbaren Situationen befunden haben.

Da eine Patientenverfügung womöglich nicht jede Behandlungssituation erfasst, spricht sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe auch für die Erteilung einer Vorsorgevollmacht aus, die mit einer Patientenverfügung kombiniert werden könne. So könne sich der Bevollmächtigte rechtsverbindlich im Sinne des Patienten äußern und sich bei notwendigen Entscheidungen auf den schriftlich vorausverfügten Behandlungswillen des Patienten stützen.

Die Broschüre „Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – Leitfaden für Patienten und Angehörige“ soll den Weg zu einer fundierten Entscheidung zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht weisen. Nach der Formulierung von Wertvorstellungen und Lebensanschauungen werden Bausteine aus verschiedenen medizinischen Themenbereichen angeboten, mit deren Hilfe der Leser seine persönliche Patientenverfügung zusammenstellen kann. Ebenso enthält die Broschüre Formulare zu Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung sowie Hinweiskarten auf eine erstellte Patientenverfügung, z. B. für das Portemonnaie. Sie ist kostenlos bei der Bürgerinformation der Ärztekammer und Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (Gartenstr. 210 – 214, 48147 Münster; Tel.: 0251 929-9000) gegen einen selbstadressierten frankierten Rückumschlag ( DIN A4, 1,45 €)erhältlich.