Organspende - Windhorst: Informieren, entscheiden, erklären muss man selbstverständlich selbst

Informieren, entscheiden, erklären: „Diese drei Schritte kosten keine Mühe und müssten jeder Bürgerin und jedem Bürger in unserem Land selbstverständlich sein“, wünscht sich Dr. Theodor Windhorst. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe wirbt dafür, dass möglichst viele Menschen ihre Bereitschaft für eine Organspende erklären. „Deshalb ist es gut, dass die Diskussion über dieses Thema in den letzten Wochen so breit und engagiert geführt wird. Jeder sollte sich zur Organspende erklären, und das muss so einfach wie möglich gemacht werden.“

Ob Krankenkassen oder Sportverbände über das Thema informierten, ob ein Prominenter oder der Nachbar von nebenan über seinen Organspendeausweis berichte: „Es ist wichtig, dass wirklich jeder im Land erfährt, dass eine Organspende für die über 12.000 tod-kranken Patienten auf der Warteliste die letzte Chance ist“, erläutert Windhorst. „Mit diesem Wissen kann dann jeder selbst bestimmen, ob und wie er diesen Mitmenschen helfen will.“ 80 Prozent der Bürger stünden dem Thema Organspende ohnehin positiv gegenüber und würden im Falle eines Falles ein Spenderorgan akzeptieren. „Doch leider fehlt immer noch zu vielen der Auslöser, auch ihrerseits eine Organspende nach dem Tod zu erlauben.“

Eine gesetzliche Pflicht zur Information der Bürgerinnen und Bürger, besonders durch die Ärzteschaft, sei Voraussetzung, so Dr. Windhorst. Eine Entscheidung und Erklärung über die eigene Position zur Organspende sollte dann folgen. Auch der Deutsche Ärztetag habe sich für eine neue gesetzliche Grundlage der Organspende ausgesprochen, die besonders auf das Selbstbestimmungsrecht der Menschen Rücksicht nimmt. „Selbstverständlich muss respektiert werden, wenn sich jemand nach eingehender Information gegen einen Spenderausweis entscheidet. Aber entscheiden muss sich jeder“, fordert Dr. Windhorst. Auch eine Änderung einer einmal gefassten Entscheidung müsse jederzeit möglich sein. „Dabei könnte ein elektronisches zentrales Register etwa bei der Bundesärztekammer helfen, in dem die Willenserklärung zur Organspende hinterlegt wird. Dort kann sie auch jederzeit nach einer Meinungsänderung aktualisiert werden.“ Im Falle eines Falles könne das Register Auskunft geben, ob jemand seine Organe spenden wolle oder nicht, wie z. B. jetzt schon in Österreich. Die Angehörigen eines möglichen Organspenders würden auch über seinen Wunsch informiert.

„Gerade für Angehörige, die in einer Phase größter Trauer zu einer möglichen Organspende befragt werden müssen, ist die Entscheidung sehr belastend, wenn sie die Einstellung des möglichen Spenders nicht kennen“, hat Dr. Windhorst erfahren. Er appelliert deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, das Thema Organspende für sich nicht auszuklammern. „Man muss offen darüber sprechen. Denn jeder kann in die Situation kommen, ganz schnell ein Spenderorgan zu benötigen. Das Engagement für die Organspende geht deshalb nicht nur Profis, sondern die gesamte Gesellschaft an.“