„Organspende macht Schule“: ÄKWL und TK wollen Jugendliche aufklären und verlorenes Vertrauen wiedergewinnen

Die Transplantationsskandale der jüngsten Vergangenheit haben eine dramatische Auswirkung auf die Organspendebereitschaft in Deutschland: Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Organspenden bundesweit um 15 Prozent gesunken und hat damit den niedrigsten Stand seit 2002 erreicht. In den Monaten Januar bis Juli 2014 ist die Zahl der Organspender in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zum Vorjahrszeitsraum um 15,4 Prozent zurückgegangen.


Münster, 1. September 2014
– Die Transplantationsskandale der jüngsten Vergangenheit haben eine dramatische Auswirkung auf die Organspendebereitschaft in Deutschland: Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Organspenden bundesweit um 15 Prozent gesunken und hat damit den niedrigsten Stand seit 2002 erreicht. In den Monaten Januar bis Juli 2014 ist die Zahl der Organspender in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zum Vorjahrszeitsraum um 15,4 Prozent zurückgegangen.

Diesem Negativtrend wollen die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) und die NRW-Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam entgegenwirken. Mit dem Projekt "Organspende macht Schule" wollen sie  Schulen in Westfalen Lippe bei der Aufklärung von Jugendlichen zum Thema Organspende unterstützen. Ziel ist es, durch Transparenz und Aufklärung, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, die Schüler für das Thema Organspende zu sensibilisieren und bestehende Ängste speziell auch im Hinblick auf die Hirntoddiagnostik abzubauen.

„Die Entwicklung bei der Organspende ist besorgniserregend und insbesondere dramatisch für die rund 11.000 Patienten, die bundesweit dringend auf eine Transplantation warten“, sagt ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst. Jeden Tag sterben nach Aussage von Windhorst drei Menschen auf der Warteliste, weil für sie nicht rechtzeitig ein lebensrettendes Organ zur Verfügung steht. Eine weitere Konsequenz sei, dass die Einjahresüberlebensquote nach einer Transplantation zurückgehe, da die Patienten zu lange auf ein Organ warten müssten und in einem immer schlechter werdenden Gesundheitszustand transplantiert würden. "Wir engagieren uns bereits seit mehreren Jahren mit Projekten wie dem Städtewettbewerb in NRW oder einem Songcontest beim Thema Organspende. Damit möchten wir erreichen, dass jeder über seine persönliche Entscheidung nachdenkt und diese mit dem Organspendeausweis dokumentiert", erläutert Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung NRW. Die Materialien für das Projekt "Organspende macht Schule" wurden von der TK zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) entwickelt. "Es berücksichtigt die Informationsbedürfnisse der Jugendlichen und ist altersgerecht aufbereitet", so van Aalst weiter. Aktuell warten nach Angaben von Eurotransplant in Nordrhein-Westfalen 34 Kinder und Jugendliche auf ein Spenderorgan - bundesweit sind es 150.

Ab einem Alter von 16 Jahren können sich Jugendliche selbst für oder gegen die Organspende entscheiden und einen Ausweis ausfüllen. Was die wenigsten wissen: Bereits ab 14 Jahren haben junge Menschen die Möglichkeit, sich gegen eine Organspende auszusprechen. „Es ist wichtig, dass Jugendliche verständliche Informationen erhalten, die ihnen Antworten auf ihre Fragen geben. Gut informiert können sie dann auch eine selbstbestimmte Entscheidung treffen“, sind sich Windhorst und van Aalst einig.

Bei dem Projekt „Organspende macht Schule“ vermittelt die Ärztekammer Westfalen-Lippe Ärztinnen und Ärzte, die in den Schulen für eine Doppelstunde das Thema Organspende behandeln. Zwar ist das Thema Organspende kein verpflichtender Bestandteil des Lehrplans, doch die kompetenzorientierten Lehrpläne bieten genügend Möglichkeiten, das Thema Organspende in den Schulunterricht zu integrieren. Es bietet sich an ab der 9. Jahrgangsstufe im Biologie-Unterricht. Die Unterrichtseinheit soll in enger Abstimmung mit dem entsprechenden Lehrer durchgeführt werden. Derzeit haben sich 30 Ärztinnen und Ärzte bereit erklärt, an dem Projekt mitzuwirken, sie werden in regelmäßigen Abständen bei der Ärztekammer geschult und auf ihre Aufgabe vorbereitet. Derzeit werden die Schulen im Umkreis der Projektärzte angeschrieben und auf das Projekt aufmerksam gemacht. 

Für die TK ist das Projekt "Organspende macht Schule" ein weiterer Baustein in ihrem Präventionsengagement. "Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele Schulen von dem Angebot Gebrauch machen", betont van Aalst.

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Für Rückfragen:
Volker Heiliger, Pressesprecher Ärztekammer Westfalen-Lippe, Tel. 0251 929-2110

Beate Hanak, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit TK NRW, Tel. 0211 93600-37