Organspende: Lebendspenden helfen aus dem Tief - Windhorst: "Dieser Mangel schmerzt!"

Wenn Ehepartner oder Verwandte Organe spenden, um einem nahestehenden Menschen in schwerer Krankheit zu helfen oder gar seinen Tod zu vermeiden, ist das nach Ansicht des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, „eine wunderbare Tat der Nächstenliebe und Verbundenheit, aber auch ein trauriges Zeichen des Mangels bei den Organspenden“. Windhorst: „Die Warteliste für ein lebensrettendes neues Organ ist so lang, dass viele Patienten das Warten nicht überleben. Jedes Jahr sterben etwa 1000 von ihnen. Lebendspenden können dann für einen Teil von ihnen ein Ausweg sein. Aber es ist weiterhin dringend notwendig, die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Wir können es uns gesellschaftlich nicht leisten, lediglich den Mangel zu verwalten. Dieser Mangel schmerzt! Wir müssen die Solidarität der Mitmenschen einfordern.“ Die Wartezeit für ein neues Organ habe sich von drei auf fünf Jahre verlängert.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres ist die Zahl der postmortalen Organspenden in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 158 auf 148 zurückgegangen. Ingesamt ist in der jüngsten Vergangenheit die Tendenz zur Stagnation bei den Organspendezahlen zu verzeichnen. Auch die Zahl der Teilleber-Lebenspenden bleibt seit drei Jahren gleich, die Zahl der Nierenlebendspenden hat sich nach zwei stagnierenden Jahren 2007 und 2008 im vergangen Jahr leicht erhöht. Nach Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantation brachte 2009 keine deutliche Steigerung der Organspenden in Deutschland. Die Zahl der Organspender pro eine Million Einwohner hat sich mit 14,9 gegenüber dem Vorjahr (14,6) kaum verändert.

Ein Trend, den Kammerpräsident Windhorst durch immerwährende Information stoppen will. „Durch stetige Aufklärung erreichen wir, dass Ängste abgebaut werden und die Menschen sich mit dem höchst emotionalen Thema der Organspende auseinandersetzen.“ Nur durch Transparenz sei hier das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Prominente Beispiele wie aktuell das Ehepaar Steinmeier könnten dabei auch helfen, die Öffentlichkeit für die Organspende zu sensibilisieren. „Wenn eine bekannte Persönlichkeit durch solch eine gute Tat mit bestem Beispiel vorangeht, hat das hoffentlich eine Sogwirkung und bringt mehr Menschen dazu, eine Entscheidung für die Organspende zu treffen.“ Windhorst: „Ich fordere eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung, um aus dem Dilemma des Mangels herauszukommen. Unser Ziel muss eine Informations- oder Widerspruchslösung wie in Spanien sein.“