Organspende ist „Akt der gesellschaftlichen Solidarität“ - Windhorst: Strukturen müssen zugunsten der Widerspruchslösung verändert werden

In der Debatte um die Organspende begrüßt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, dass sich auch führende politische Vertreter verschiedener Parteien für eine Widerspruchslösung ausgesprochen haben. So äußerten sich in den vergangenen Tagen sowohl FDP-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger als auch der CDU-Obmann im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, Rolf Koschorrek, in Richtung einer Änderung der gesetzlichen Bestimmungen bei der Organspende zugunsten einer Widerspruchslösung. Ebenso plädierten die gesundheitspolitischen Sprecher von FDP und SPD, Ulrike Flach sowie Karl Lauterbach, für die Widerspruchslösung. Windhorst, auch Mitglied der Ständigen Kommission Organspende der Bundesärztekammer, dazu: „Es ist gut, wenn die Politik erkannt hat, dass die bestehenden Strukturen verändert werden müssen, um die Zahl der Organspenden in unserem Land zu steigern und so das Leid auf der Warteliste zu mindern.“

Der Kammerpräsident setzt sich seit langer Zeit für eine Steigerung der Organspendezahlen ein. Seit dem Deutschen Ärztetag in Münster 2007 sei festzustellen, dass sich nicht nur das ärztliche, sondern auch das gesellschaftspolitische Meinungsbild bei diesem Thema gewandelt habe. Schließlich habe der diesjährige Deutsche Ärztetag in Dresden eine gesetzliche Regelung im Sinne einer Widerspruchslösung gefordert. Darauf habe der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, jüngst nochmals hingewiesen.

Windhorst: „Den Tod auf der Warteliste darf es nicht mehr geben. Immer noch sterben jedes Jahr 1000 Menschen, die auf ein neues Organ warten. Das ist einfach zu viel. Wir dürfen nicht länger den Mangel an Spenderorganen verwalten, wir müssen etwas tun.“ Bei der derzeit gültigen Zustimmungslösung seien die Hinterbliebenen im Todesfall eines Angehörigen und damit in einer Phase des Abschieds und der Trauer oft überfordert, eine Entscheidung für eine Organspende zu treffen, sofern der Verstorbene sich nicht bereits zu Lebzeiten dazu geäußert habe. „Es soll deshalb jeder Einzelne entscheiden, was im Todesfall mit seinen Organen passiert. Organspende ist ein Akt gesellschaftlicher Solidarität und folgt dem Prinzip der Nächstenliebe. Bei der Widerspruchslösung müsste jemand, der zur Spende bereit ist, dann nichts mehr dokumentieren, nur ein Nein als Widerspruch muss als Information hinterlegt werden.“

Es sei paradox, dass derzeit ein Großteil der Menschen sich in Umfragen für eine Organspende ausspreche, aber nur ein geringer Teil diese Zustimmung auch per Organspendeausweis dokumentiere. „Da stimmt im System etwas nicht. Und dadurch verlieren wir zahllose lebensrettende Organe, die bei den heute überwiegenden Urnenbestattungen quasi in Rauch aufgehen“, kritisiert Windhorst. Deshalb müssten die Menschen bei dem sensiblen Thema der Organspende informiert und aufgeklärt werden, um so Vorbehalte und Ängste abzubauen. „Ich freue mich, dass auch die Politik dies erkannt zu haben scheint. Eine entsprechende Änderung muss bei der Novelle des Transplantationsgesetzes eingearbeitet werden.“