Organspende: Ärztetag befürwortet Widerspruchslösung - Windhorst: Debatte mit den Menschen notwendig – Aufklärung als Bringschuld der Ärzte

Der 113. Deutsche Ärztetag in Dresden hat sich Ende der vergangenen Woche für eine Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen. Dies ist nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe der richtige Weg, die Zahl der Organspenden wieder zu steigern. „Wir müssen uns immer wieder mit diesem Thema auseinandersetzen“, sagt Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst, der sich in der Vergangenheit stets für eine Änderung der derzeit geltenden Zustimmungslösung eingesetzt hat. „Organspende ist eine Sache des Vertrauens und der Transparenz. Die Aufklärungsarbeit hierzu ist auch eine Bringschuld der Ärzte.“

Windhorst weist darauf hin, dass im letzten Jahr die Zahl der Organspenden in Nordrhein-Westfalen stagnierte. „Wir mussten leider feststellen, dass der positive Trend der letzten Jahre bei den Organspenden in NRW gestoppt ist. Das dürfen wir nicht akzeptieren.“ 2009 gab es 259 Spenden, 2008 waren es 258 Spenden. Von 2004 bis 2008 dagegen konnten jedes Jahr deutliche Steigerungen in NRW verzeichnet werden.

Wie der Ärztetag in seinem Votum für eine Widerspruchslösung festhielt, hätten Studien aus Ländern mit geltender Widerspruchslösung zur Organspende gezeigt, dass dadurch die Zahl der Spenden gesteigert werden könne. Dies sieht auch Windhorst so und er fordert, das Thema Organtransplantation immer wieder in die Öffentlichkeit zu tragen. „Wir haben eine nachhaltige Verbesserung noch nicht erreicht. Deshalb ist es gut, dass vom Deutschen Ärztetag ein deutliches Signal ausging: Wir haben die Aufgabe, mit den Menschen über Organspende zu reden, sie zu informieren. Eine Debatte mit den Menschen ist dringend notwendig. Wir brauchen die Information als Lösung des Problems.“

Die Menschen müssten bei diesem sensiblen Thema aufgeklärt werden, damit sie eine Entscheidung für die Organspende treffen könnten. Durch Wissen werde erreicht, dass Ängste abgebaut würden und die Menschen sich mit diesem höchst emotionalen Thema beschäftigten. Eine Änderung der dramatischen Situation müsse schnell geschehen. Schließlich sterben nach Aussage Windhorsts weiterhin jeden Tag drei Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Pro Jahr seien das 1000 traurige Schicksale. Die Wartezeit für ein neues Organ habe sich von drei auf fünf Jahre verlängert. „Unsere Gesellschaft darf dies nicht hinnehmen.“