Ökonomischer Druck führt zu Fehlentwicklungen - Windhorst: Bei der Notfallversorgung sind die Kapazitäten der Kliniken schnell ausgelastet

Eine vergleichsweise undramatische Grippewelle hat gezeigt: Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen sind auf Auslastungsspitzen durch Notfalleinweisungen nicht ausreichend vorbereitet. Dies kritisiert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. med. Theodor Windhorst, vor dem Hintergrund des derzeit diskutierten Bettenabbaus in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern. „Wenn es zu unvorhergesehenen Engpässen kommt, sind schnell alle Kapazitäten dicht“, so Windhorst. Er fordert ausreichende Notfallvorhalte und ausgearbeitete Notfallpläne für die Kliniken.

Bei den Kapazitätsplanungen der Kliniken müsse berücksichtigt werden, dass es in Notfällen zu einer außerplanmäßigen Beanspruchung der Kliniken kommen könne. Ein an der Notfallversorgung teilnehmendes Krankenhaus müsse nicht nur medizinisch, sondern auch organisatorisch in der Lage sein, die qualifizierte Versorgung eines Notfallpatienten zu gewährleisten. „Wer aber aus falschen wirtschaftlichen Gesichtspunkten Betten abbaut und damit Versorgungsgrenzen unterschreitet oder wer die Normal-Versorgung bis zur Höchstgrenze ausreizt, hat keinen Spielraum mehr, wenn Not am Patienten ist“, so Windhorst. Das Ergebnis dieser kritischen Planungspolitik habe man in den vergangenen Tagen und Wochen an mehreren Stellen im Land – so etwa in Dortmund oder Herford – erleben müssen.

Die 432 Kliniken in NRW verfügen über etwa 124.000 Betten. Deren Auslastung belief sich nach Angabe des Landesamtes für Statistik und Datenerhebung im Jahr 2007 auf gut 75 Prozent. „Wie man gesehen hat, sind die restlichen 25 Prozent dringend notwendig, um Versorgungsspitzen auffangen zu können“, sagt Windhorst. Die öffentliche Daseinsfürsorge müsse auch ausreichend Vorsorge-Kapazitäten in den Kliniken umfassen. „Medizinische Rosinenpickerei aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus darf es in den Kliniken nicht geben.“

Der Kammerpräsident warnt auch davor, den ökonomischen Druck auf das ärztliche und pflegerische Personal weiter zu verstärken. Immer geringere Budgets und knapp gehaltene oder gar gekürzte Personalplanungen führten dazu, dass die Kliniken sich keine genügenden Vorhaltestrategien mehr leisten und damit ihrem Versorgungsauftrag nicht mehr ausreichend nachkommen könnten.

Windhorst: „Irgendwann ist die Zitrone bis zum letzten ausgequetscht. Wenn keine Betten mehr zur Verfügung stehen, findet die Versorgung auf den Gängen und Fluren der Krankenhäuser statt. Man beachte zudem: Ohne Ärzte gibt es auch keine qualitative Notfallversorgung mehr.“