Öffentliche Diskussion 2010 hat bereits Früchte getragen - Windhorst: „Informationen über Organspende können Wunder wirken“

„Die öffentliche Diskussion über Organspenden im vergangenen Jahr hat bereits Früchte getragen“: Dass die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr bundesweit angestiegen ist, führt Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, auch darauf zurück, dass das Thema verstärkt im Blickpunkt stand. „Viele Menschen werden sich unter diesem Eindruck dafür entschieden haben, einen Spenderausweis auszufüllen.“

Während die Zahl der Organspenden bundesweit anstieg, stagniert die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Mit 14,3 Organspendern auf eine Million Einwohner lag NRW 2010 im Vergleich der Bundesländer weit hinten und deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 15,3 Organspendern pro Million Einwohner. Vor diesem Hintergrund drängt Dr. Windhorst auf eine verbesserte gesetzliche Grundlage für Organspenden. „Jeder Bürger müsste sich erklären, ob er spenden will oder nicht, nachdem er sich zuvor über das Thema Organspende informiert hat“, fordert Windhorst. „Jeder könnte ohne Angst entscheiden, wenn er weiß: Ein Nein brächte ihm keine Nachteile, ein Ja zur Organspende könnte das Leben eines anderen Menschen retten.“ Eine frühzeitige Erklärung nehme im Falle eines Falles auch großen Druck von den Angehörigen potenzieller Organspender. „Es ist unermesslich schwierig, direkt nach dem Verlust eines nahen Menschen auch noch über eine Organspende entscheiden zu müssen.“

Erst vor kurzem hatte sich der CDU-Politiker Volker Kauder für eine „Entscheidungslösung“ in Sachen Organspende ausgesprochen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, findet Ärztekammerpräsident Dr. Windhorst. „Eine solche Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist jedem Menschen zuzumuten. Aber niemand darf mit dieser Entscheidung allein gelassen werden“

In der Information und Beratung von Bürgern bei der Entscheidung für oder gegen eine Organspende sieht Windhorst nicht nur die Ärzteschaft in der Pflicht. Das Thema müsse noch mehr als bisher im Alltag verankert werden. „Warum kann man nicht schon beim verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurs für Führerscheinbewerber mit jungen Menschen über Organspende sprechen?“

Die Bedenken und Sorgen, die viele Menschen vom Ausfüllen eines Spenderausweises abhalten, nimmt Windhorst sehr ernst. „Viele Ängste ließen sich ausräumen, Informationen können Wunder wirken. Wichtig ist vor allem, dass ein potenzieller Spender Herr über seine Entscheidung bleibt. Eine unkomplizierte Dokumentation über den Organspenderausweis, den man bei sich trägt, ist da sicherlich besser als ein Eintrag in einem zentralen Register, der nur aufwändig zu ändern wäre.“