Ministerin Steffens beim Westfälischen Ärztetag - Windhorst will bessere Patientenversorgung durch Kooperation: "Koordinierte Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams"

Die Verbesserung und Weiterentwicklung der bisherigen Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen ärztlichen und nichtärztlichen Gesundheitsfachberufen fordert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, im Vorfeld des vierten Westfälischen Ärztetages, der am kommenden Freitag (15. Juli) im Ärztehaus in Münster stattfindet. Dies sei vor dem Hintergrund des steigenden medizinischen Versorgungsbedarfes und medizinischen Fortschritts sowie durch eine älter werdende Gesellschaft, immer komplexerer Versorgungsabläufe und enger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen dringend erforderlich.

„Wir müssen im Sinne einer guten und effektiven Patientenversorgung die teamorientierte Kooperation von Ärzten und Angehörigen anderer medizinischer Fachberufe wieder mehr in den Mittelpunkt stellen“, so Windhorst. „Was wir brauchen, ist eine koordinierte und transparente Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams.“ Dabei müsse die ärztliche Gesamtverantwortung für Diagnose und Therapie gewahrt bleiben, fordert der Kammerpräsident.

Windhorst: „Die persönliche Leistungserbringung des Arztes prägt das ärztliche Berufsbild, es gilt der Facharztstandard.“ Die Delegation ärztlicher Leistungen an bekannte Mitarbeiter, die durch den Arzt selbst für diese Aufgaben zertifiziert wurden, könne arztentlastend sein. Windhorst warnt in diesem Zusammenhang aber vor einem Katalog von delegationsfähigen Leistungen. „Eine katalogisierte und damit automatisierte Delegation kann ebenso wie eine regelhafte Delegation den heimlichen Einstieg in die Substitution bedeuten.“ Die Substitution ärztlicher Tätigkeit lehnt Windhorst kategorisch ab. Gegen solche Bestrebungen aus dem politischen Raum oder vonseiten nicht-ärztlicher Berufs-gruppen, die selbständige Ausübung der ärztlichen Heilkunde teilweise in die Hände von Nicht-Ärzten zu legen, werde sich die Ärzteschaft vehement wehren. „Entweder ist die Art der Heilkundeerbringung eine ärztliche Aufgabe oder nicht! Dann hat der Patient Anspruch auf Diagnose und Behandlung unter ärztlicher Verantwortung.“

Auch die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, wird am Westfälischen Ärztetag teilnehmen. Steffens: "Es muss stärker darüber nachgedacht werden, wie und in welchem Umfang - berufsrechtlich abgesichert - mehr Leistungen als bisher durch Gesundheitsfachberufe erbracht werden können. Dazu brauchen wir einen gemeinsamen Prozess mit den Ärztinnen und Ärzten und mit den anderen an der Versorgung beteiligten Heilberufen. Denn auch Delegation ist nur im Konsens wirklich erfolgreich. Die Versorgungssicherheit muss dabei im Vordergrund stehen, denn das ist unser gemeinsames Ziel. Je mehr Ärztinnen und Ärzte von Aufgaben entlastet werden, desto mehr Zeit haben sie künftig für ihre Patientinnen und Patienten. Ich habe die Hoffnung, dass das Gesundheitswesen dann – durch die Ärztinnen und Ärzte und diejenigen, die sie dann unterstützen und entlasten –, ein Stück weit menschlicher wird. Mehr Kooperation und mehr Miteinander – auch sektorenübergreifend – ist das, was ich mir für die Zukunft unseres Gesundheitswesens wünsche und wofür ich mich einsetze."

Wie die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe aussehen kann, will der vierte Westfälische Ärztetag in Münster beleuchten. Die Darstellung von Kooperationsmodellen für Praxis und Klinik soll anschaulich machen, dass eine Delegation von Aufgaben an qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ambulanten und stationären Bereich funktionieren kann. Der 4. Westfälische Ärztetag mit dem Titel „Patientenzentrierte Medizin im Team: Versorgung sichern durch Kooperation“ findet statt am 15. Juli 2011 ab 15 Uhr im Ärztehaus Münster (Gartenstr. 210 – 214). Die Teilnahme ist kostenlos.