Leserbrief zu dem Artikel „Organvergabe in Deutschland: Tödliches System“ in Spiegel Online vom 10. Juni 2013

Vertrauen und Transparenz sind Grundlage für eine erfolgreiche Transplantationsmedizin. Die Darstellung des „Tödlichen Systems“ bewirkt genau das Gegenteil und festigt durch Pseudoaufklärung Misstrauen und Unsicherheit – eine Unsicherheit, die die Aussichten der 12.000 Menschen auf der Warteliste für ein Organ nur noch verschlechtert. Jede ausbleibende Organspende bestraft diese Patienten „tödlich“.

Die emotionale Auswahl und Darstellung der Patienten-Schicksale lässt außer Acht, dass das eigentliche Problem der Transplantationsmedizin der Mangel an Spenderorganen ist. Auch wird ausgeblendet, dass es neben den Frustrierten im angeblich „tödlichen“ System zahlreiche Ärztinnen, Ärzte und Pflegende gibt, deren hohe Motivation und Einsatz den Wartelisten-Patienten täglich unmittelbar zugute kommt. Um unter dem Aspekt des Mangels ein gerechtes Transplantationssystem aufzubauen, ist es notwendig, ärztlichen Sachverstand bei der Beurteilung von „Erfolg und Dringlichkeit“ von Transplantationen zu garantieren. Die „Spiegel-online“-Darstellung dient keinesfalls der systematischen Aufklärung und Aufarbeitung möglicher Schwachstellen, sondern fördert vor allem die Kontinuität des Misstrauens in das Organspende-System, das ausschließlich auf Vertrauen und Altruismus basiert. Jeder einzelne ist aufgerufen, sich über Organspende zu informieren und seinen Standpunkt darzulegen – solche Beiträge sind dabei keine Hilfe.

Münster. 13. Juni 2013

gez.
Dr. Theodor Windhorst
Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer, Gartenstr. 210–214, 48147 Münster