Kassen-Report zu Behandlungsfehlern in Kliniken - Windhorst empört über „Pranger-Kultur“ der AOK: Patienten sind in Kliniken gut aufgehoben

„Ich dachte, die Zeit des Anprangerns ist seit dem Mittelalter vorbei.“ Mit diesen Worten kritisiert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, den aktuellen AOK-Krankenhausreport, nach dem mehr Menschen im Krankenhaus durch Behandlungsfehler sterben als im Straßenverkehr. „Die behaupteten hunderttausendfachen Behandlungsfehler zeichnen ein Horrorgemälde, das keinesfalls der Realität in den Kliniken in unserem Land entspricht.“ Die Vorwürfe von Pfusch und fehlerhafter Patientenversorgung seien immer wieder „Teil eines beliebten Kesseltreibens gegen die Ärzteschaft“. „Die Patienten sind in unseren Kliniken gut aufgehoben“, sagt Windhorst.

Er plädiert hingegen für eine transparente Fehlerkultur. „Patientenschutz bedeutet auch, dem Vorwurf eines Behandlungsfehlers gewissenhaft und offen nachzugehen. Jeder Fehler ist ein Fehler zuviel und darf sich nicht wiederholen.“ Die Ärzteschaft wolle keine Fehlbehandlungen vertuschen, vielmehr seien festgestellte Fehler auch Anlass dafür, ärztliches Handeln zu verbessern. In diesem Zusammenhang verweist Windhorst auf das von den nordrhein-westfälischen Ärztekammern gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft NRW eingeführte landesweite Melde- und Lernsystem für medizinische Beinahe-Fehler  (CIRS: Critical Incident Reporting System). „Dieses System bedeutet für uns die Etablierung eines Risikomanagements und die Entwicklung einer Sicherheitskultur im Sinne des Patienten“, so Windhorst. Es wäre wünschenswert, so der Kammerpräsident, wenn sich auch die Krankenkassen zu einer Kultur der Fehleranalyse durchringen könnten und von ihrer „Pranger-Kultur“ abrückten.

Die Zahl der Anträge auf Feststellung eines vermeintlichen Behandlungsfehlers ist bei der Gutachterkommission für ärztliche Haftpflichtfragen der ÄKWL nach Kammerangaben in den letzten Jahren relativ konstant. Im Jahre 2012 wurden 1.022 Verfahren mit einer inhaltlichen Entscheidung abgeschlossen. In jedem dieser Verfahren wurden zwei ärztliche Gutachten eingeholt, die die Grundlage für die Entscheidung bildeten. In 162 (16 Prozent) Fällen wurde von zwei Gutachtern ein Behandlungsfehler mit einem kausal darauf zurückzuführenden Gesundheitsschaden festgestellt. In weiteren 31 (drei Prozent) Fällen wurde zwar ein Behandlungsfehler festgestellt, dieser hatte jedoch nach Ansicht der Gutachterkommission kausal nicht zu einem Schaden geführt. In 829 (81 Prozent) Fällen wurde kein Behandlungsfehler festgestellt.

Münster, 21. Januar 2014     04/14_hei