Kammervorstand will Inflationsausgleich für Ärzteschaft – Vergleich zu anderen freien Berufen gezogen - Ärzteschaft fordert Gerechtigkeit und Gleichbehandlung als Garanten für eine weiterhin attraktive Patientenversorgung

Der Vorstand der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hat sich erneut einstimmig für einen Inflationsausgleich für Ärzte ausgesprochen. „Die Gebührenordnungen aller freien Berufe wurden durch die Bundesregierung komplikationslos dem steigenden Verbraucherpreisindex angepasst, nur die Ärzteschaft bleibt außen vor“, erklärt der Präsident der ÄKWL, Dr. Theodor Windhorst, nach einer Vorstandssitzung der ÄKWL. „Die wirtschaftlichen Belastungen in den Praxen steigen, die Kosten galoppieren uns davon. Die Entwicklung der Kosten für Praxismiete und Energie oder die Aufwendungen für das Praxispersonal nehmen keine Rücksicht auf eine seit Jahrzehnten eingefrorene Gebührenordnung. Und in den letzten 30 Jahren hat es für uns Ärzte keinen reellen Inflationsausgleich gegeben“, kritisiert der Kammerpräsident.

„Wir Ärzte fordern eine faire und gerechte Bewertung unserer Arbeit. Der Arzt darf gegenüber anderen freien Berufen nicht benachteiligt werden. Was wir wollen, ist einfach Gerechtigkeit. Jung-Mediziner dürfen nicht durch Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung davon abgeschreckt werden, in die Praxis zu gehen.“

Laut Windhorst zeigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, dass der Verbraucherpreisindex seit 1983 um 71,6 Prozent gestiegen ist. Der Punktwert, nach dem Ärzte abrechnen können, sei im gleichen Zeitraum aber nur um 14 Prozent angestiegen. „Der Anstieg der Inflationsrate war also mehr als fünfmal höher als die Entwicklung des Punktwertes.“ Entsprechende Anpassung und Ausgleich seien nach einstimmiger Ansicht des ÄKWL-Vorstandes „jetzt einfach fällig“, sagt Windhorst.

Der Vorstand der ÄKWL kritisiert die mehr als zurückhaltende Rolle der Bundesregierung und die ungerechte Behandlung der Ärzteschaft durch die Politik. Obwohl in der Koalitionsvereinbarung der derzeitigen Regierung die Umsetzung einer neuen GOÄ noch in dieser Legislaturperiode vorgesehen sei, werde den Ärzten immer noch verweigert, was bei den anderen freien Berufen wie Architekten, Anwälten und Notaren oder Tierärzten bereits realisiert wurde. So seien die Honorare für Architekten in den letzten gut 25 Jahren um 30 Prozent gestiegen. Die Vergütung der Rechtsanwälte sei im Jahr 2004 angepasst worden und die Bundesregierung sorge bei den Anwälten zudem für einen fast vollständigen Ausgleich des seit 2004 eingetretenen Kostenanstiegs. Auch die Gebührenordnung für Tierärzte sei mit einem Plus von zwölf Prozent an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland angepasst worden.

Windhorst: „Diese drei Beispiele belegen die Ungleichbehandlung innerhalb der Gruppe der freien Berufe. Dies ist für die Ärzteschaft nicht länger hinnehmbar. Es geht um die Wertschätzung ärztlicher Arbeit. Es geht um die Bindung des ärztlichen Nachwuchses an die freie Berufsausübung in den Praxen. Und es geht darum, den Exodus der jungen Ärztinnen und Ärzte in das Ausland zu stoppen.“

Münster, 26. April 2013     14/13_hei