Kammerpräsident kritisiert „künstliche Verknappung“ - Patientenversorgung darf nicht leiden - Windhorst fordert Erhöhung der Medizinstudienplätze und bessere Bedingungen für den ärztlichen Nachwuchs

Um dem Ärztemangel in Kliniken und Praxen zu begegnen, muss es nach Ansicht des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, mehr Studienplätze für Medizin geben. Windhorst kritisiert die „künstliche Verknappung“ der Medizinstudienplätze. Zudem fordert er bessere Rahmenbedingungen für den ärztlichen Nachwuchs. Das habe schwerwiegende Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Die Patienten dürften nicht die Leidtragenden des Ärztemangels sein.

„Wir haben heute weniger Medizinstudienplätze als noch Mitte der 90er Jahre. Im geteilten Deutschland gab es mit 12.000 Plätzen mehr Studienplätze als in dem ungeteilten Land mit nun 10.000. Diese künstliche Verknappung ist ein wesentlicher Grund für den Ärztemangel.“ Laut einer aktuellen Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fehlen derzeit 2.600 Haus- sowie 2.000 Fachärzte im Bundesgebiet, insbesondere ländliche Regionen sind vom Ärztemangel betroffen. In den Krankenhäusern gibt es über 12.000 freie Arztstellen. Zudem sollten nach Ansicht des ÄKWL-Präsidenten neben dem Numerus Clausus auch andere Kriterien wie bereits abgeschlossene Ausbildungen in Medizinberufen und soziales Engagement viel stärker als bisher bei der Studienplatzvergabe berücksichtigt werden.

Windhorst: „Die Politik scheut die Ausgaben für genügend Medizinstudienplätze, beklagt sich aber dann, dass immer weniger Haus- und Fachärzte auf dem Land tätig sind. Das ist bigott. Wir müssen uns viel mehr um unseren ärztlichen Nachwuchs kümmern und ihn besser auf sein späteres Wirken am Patienten vorbereiten.“ Dazu gehöre, jungen Ärztinnen und Ärzten bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu bieten. „Wenn die Politik das wichtige und richtige Arbeitszeitgesetz vorgibt, muss sie auch akzeptieren, dass wir mehr Ärztinnen und Ärzte brauchen.“

„Wenn schon in den Krankenhäusern der ärztliche Nachwuchs zu Beginn seiner Berufstätigkeit durch schlechte und belastende Bedingungen mit hoher Arbeitsverdichtung, Überstunden und großem Bürokratie- und Dokumentationsaufwand vergrault wird, kommen die jungen Ärztinnen und Ärzte später gar nicht mehr in der ambulanten oder stationären Versorgung an. Der Ärztemangel hat seinen Grund auch schon in den Kliniken.“

Insbesondere für eine qualifizierte und strukturierte Weiterbildung müsse der notwendige Raum und Geld vorgehalten werden. Zudem könne der Einsatz von Arzt-Assistenten die Mediziner in der Patientenversorgung entlasten, wenn diese sogenannten Physician Assistants den Arzt unterstützten und so eine arztzentrierte Versorgung ermöglichten.

Windhorsts Forderungen: „Die Politik muss endlich handeln. Wir brauchen mehr Studienplätze für Mediziner. Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen. Die Kassen müssen aufhören, die Ärzteschaft zu diffamieren und so ein ganzes Berufsbild schlecht zu reden.“