Kammern nehmen Versorgungsverantwortung wahr - Windhorst: Kammern garantieren Versorgungsqualität für die Patienten

Das Versorgungsgesetz hat nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) zwar richtige Ansätze, aber auch einen entscheidenden Fehler: Es grenzt die Ärztekammern aus. ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass dem deutschen Gesundheitswesen von den Patienten in Umfragen regelmäßig ein hoher Qualitätsstandard bescheinigt wird. „Die Patienten haben Vertrauen in das System und es ist die Verantwortung der Kammern, die Qualität der ärztlichen Qualifikation aufrecht zu erhalten. Die Ärztekammern garantieren diesen Qualitätsstandard.“ Die Kammern hätten eine Verantwortung für die zukünftige medizinische Versorgung der Patienten. Um dieser Versorgungsverantwortung auch gerecht zu werden, fordert der Präsident der Ärzteammer Westfalen-Lippe den Zugang zu so genannten Routinedaten, die bei der Abrechnung medizinischer Leistungen durch die Krankenkassen gewonnen werden. „Die Routinedaten bilden die Morbidität ab und ermöglichen uns damit einen Blick auf den Versorgungsbedarf der Bevölkerung. Diese Daten können dann Berücksich-tigung bei der Steuerung der ärztlichen Weiterbildung finden“, sagt Windhorst. So könnten ärztliche Qualifikation und Versorgungsbedarf zusammengeführt werden.

Die ärztliche Weiterbildung sei eine originäre Kernkompetenz der Landesärztekammern. Die Zulassung von Weiterbildungsbefugten sowie die Anerkennung von Weiterbildungsstätten geschähen „natürlich mit Blick auf die Erfordernisse für die Patientenversorgung“, so der Kammerpräsident. „Wir sind gefordert, den fachärztlichen Nachwuchs in ausreichender Anzahl und Güte zu generieren, um auch weiterhin eine qualitativ hochstehende medizinische Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Die Weiterbildungskompetenz der Ärztekammern sorgt so für den Erhalt des ärztlichen Wissens und die Qualifikation der nachkommenden Ärztegeneration. Nur mit fundiertem Datenmaterial können wir die Versorgungsverantwortung, in der wir stehen, auch wahrnehmen.“ Nicht ohne Grund investiere die Bundesärztekammer viel Geld in die Versorgungsforschung. „Das zeigt, dass sich die Ärzteschaft auch in dieser Versorgungsverantwortung sieht.“

Für die Verwendung von Routinedaten seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen mit den Paragrafen 303a und folgenden des Sozialgesetzbuches V (Datentransparenz) eigentlich schon gegeben, allerdings sei die geplante Arbeitsgemeinschaft für Datentransparenz einschließlich einer Datennutzung durch Dritte für Forschungszwecke nie gegründet worden, kritisiert der Kammerpräsident: „Dieses Versäumnis muss das neue Ver-sorgungsgesetz korrigieren.“ Zudem fordert Windhorst in diesem Zusammenhang, die Ärztekammern in die Liste der Zugangsberechtigten bei der Datenverarbeitung und –nutzung aufzunehmen. „Viele sind in dieser Liste aufgeführt, mit der Bundesärztekammer fehlt jedoch ein entscheidender Gestalter des Gesundheitswesens. Das betrifft auch Fragen der sektorübergreifenden Bedarfsplanung und der spezialärztlichen Versorgung in ambulantem und stationärem Sektor.“