Kammer kann nun Impfung gegen Schweinegrippe empfehlen - Windhorst: Jetzt entsteht Klarheit für Ärzte und Bürger

Eine von der Ärztekammer Westfalen-Lippe eingerichtete Expertengruppe hat sich mit dem Thema der Impfung gegen die Schweinegrippe beschäftigt. In diesem Gremium, das mit Medizinern und Fachleuten aus Westfalen-Lippe besetzt war, wurde eine umfassende Bewertung von Nutzen und Risiko dieser Impfung erarbeitet. Das Ergebnis: Die Ärztekammer Westfalen-Lippe kann nun die Impfung zum Schutz vor der so genannten Schweinegrippe empfehlen.

Der Präsident der Kammer, Dr. Theodor Windhorst, sagte, nach der Impfempfehlung des Landes NRW und vor dem Hintergrund, dass laut Paul-Ehrlich-Institut in der Zwischenzeit umfangreiche Erfahrungen mit den Impfstoffen vorliegen, entstehe jetzt „Klarheit für Ärzte und Bürger". „Noch breitet sich die neue Influenza in Deutschland nicht so schnell aus wie anderen Ländern. Durch eine rasche Impfung besteht die Möglichkeit, die Ausbreitung einzudämmen. Durch weiteres Abwarten würde dieser Zeitvorteil verspielt. Diese Bewertung aus Westfalen-Lippe kann man sicherlich auch auf das Bundesgebiet übertragen."

Der derzeitige Verlauf der neuen Influenza ist nicht in allen Fällen harmlos. In einigen Fällen ist es zu schweren und schwersten Verläufen bis hin zu Todesfällen gekommen – auch bei Patienten ohne Vorerkrankungen. Besonders betroffen waren dabei Schwangere, Kinder unter zwei Jahren und Patienten mit chronischen Erkrankungen. Im Herbst und Winter ist mit einer Zunahme der Infektionszahlen und damit auch der schweren Verlaufsformen und Todesfälle zu rechnen, wie sie jetzt schon in Kanada, den USA oder Großbritannien zu beobachten sind.

Die Impfempfehlung der Ärztekammer bezieht deren Präsident auf alle Bürger. „Grundsätzlich können alle Bevölkerungsgruppen von einer Impfung gegen die Neue Grippe profitieren. Jeder Bürger sollte im Rahmen der Zulassung der Impfstoffe die Möglichkeit einer Impfung haben." Frühere Bedenken gegen den Impfstoff seien nach Berichten des Paul-Ehrlich-Institutes abgeschwächt worden. Schwangere gehörten einer besonderen Risikogruppe an. Sie sollen daher bevorzugt mit einem Impfstoff ohne Zusatzverstärker (nicht-adjuventierter Spaltimfpstoff) geimpft werden. Windhorst begrüßt in diesem Zusammenhang, dass solch nicht-adjuventierte Impfstoffe voraussichtlich Mitte November vermehrt zur Verfügung stehe.

Da die Verfügbarkeit von Impfstoffen derzeit begrenzt ist, sollen zunächst die im Gesundheitswesen Tätigen und Patienten mit erhöhter Gefährdung aufgrund von chronischen Erkrankungen ab einem Alter von sechs Monaten geimpft werden. Die Impfung gegen die Schweinegrippe ist nach Ansicht Windhorsts nicht nur Selbstschutz, sie diene auch dem Fremdschutz. Ärztinnen und Ärzte hätten in ihrem Beruf Kontakt zu den besonders gefährdeten Risikogruppen. Aus Verantwortung für ihre Patienten sollten sie sich daher vorrangig impfen lassen.

Ein weiterer Aspekt der Durchführbarkeit der Impfung liegt in der vorliegenden Impfempfehlung des Landes NRW, die für die impfenden Ärzte die notwendige Rechtssicherheit für den Fall von Impfschadensregelungen bringe. Diese würden durch das Land gemäß Infektionsschutzgesetz übernommen. „Damit ist der Arzt raus aus dem Haftungs-Dilemma."