Impflücken sind gesamtgesellschaftliches Problem - Windhorst: Impfschutz muss eine Selbstverständlichkeit werden

Um einen besseren Impfschutz in Deutschland zu erreichen, sind nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) gemeinsame Anstrengungen vieler Beteiligter notwendig. „Impflücken sind ein gesamtgesellschaftliches Problem“, sagt der Präsident der ÄKWL, Dr. Theodor Windhorst, im Vorfeld der diesjährigen Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen (LGK NRW), die am kommenden Freitag (24. Juni) wieder in Münster zusammenkommen wird. Auch die Ärzteschaft sieht der Kammerpräsident hier in der Pflicht. Im Gegensatz zu anderen Regionen der Bundesrepublik sei Nordrhein-Westfalen auf einem guten Weg: In NRW werde eine Impfquote von nahezu 95 Prozent erreicht, lobt Windhorst. NRW schneidet laut dem Landesgesundheitsministerium beim bundesweiten Vergleich des Impfschutzes sehr gut ab. Die Impfquote zur Einschulung der Einschülerinnen und Einschüler in das Schuljahr 2014/2015 lag in NRW bei 97,8 Prozent bei der ersten Masernimpfung sowie mit 94,6 Prozent bei der zweiten Masernimpfung. Dies ist nach Ansicht Windhorsts auch ein Erfolg des bisherigen Engagements der LGK NRW, die sich in diesem Jahr auf Betreiben von Kammerpräsident Windhorst erneut mit dem Thema Impfen beschäftigen soll.

Andererseits, so Windhorst weiter, gab es im vergangenen Jahr laut Statistik des Robert-Koch-Institutes (RKI) 2464 gemeldete Masernfälle in Deutschland. Auch in den Jahren 2013 (1769 Fälle) und 2011 (1609 Fälle) registrierte das RKI schwere Masern-Epidemien. Solch epidemische Masernausbrüche wie etwa in Berlin, wo es auch zu Todesfällen durch Masernerkrankungen kam, lassen sich erst verhindern, wenn 95 bis 97 Prozent der Bevölkerung immun sind.

„Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Wir müssen es bundesweit schaffen, die bestehenden Impflücken zu schließen“, erklärt ÄKWL-Präsident Windhorst. Aus Sicht der Ärzteschaft sei es dringend notwendig, das Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung zu stärken und damit die Impfmotivation zu verbessern. „Dafür müssen wir auch die Ärztinnen und Ärzte in Fortbildungsmaßnahmen schulen, damit sie die Patientinnen und Patienten über den Nutzen von Impfungen aufklären können. Für die Bevölkerung muss Impfschutz eine Selbstverständlichkeit werden.“ Irrationale Ängste, etwa vor angeblichen Nebenwirkungen von Impfstoffen, könnten durch ärztliche Beratung abgebaut werden. „Der erste Ansprechpartner beim Impfen ist der Arzt. Jeder Arztbesuch kann dazu genutzt werden, auch als Erwachsener seinen Impfstatus zu überprüfen.“

Zwischen dem elften und 14. Lebensmonat sollen Kinder das erste Mal gegen Masern geimpft werden, die Zweitimpfung wird dann im Alter von 15 bis 23 Monaten empfohlen. „Kinder sind ganz besonders gefährdet“, weist der Kammerpräsident auf ein hohes Gefährdungspotenzial hin. Deshalb sollten sie bereits vor dem Besuch von Kindergarten oder Kindertagesstätte geimpft sein, um dort kein „unnötiges und gefährliches Erreger-Reservoir“ entstehen zu lassen. Aber auch später sei ein Impfschutz immer noch möglich. "Schuleingangsuntersuchungen sind eine wichtige Datenquelle für die Ermittlung des Impfstatus und lassen auch regionale Vergleiche zu“, so Windhorst.

In der elektronischen Gesundheitskarte für Flüchtlinge sieht Windhorst ein wichtiges Dokumentationsmedium, um Impfungen auch von Flüchtlingskindern und jugendlichen Flüchtlingen nachzuhalten. Die medizinische Versorgung von Flüchtlingen, wozu auch die Prävention gehöre, könne dadurch vereinfacht werden.

Ein konsequentes Fortführen der Impfungen sei nicht nur Selbstschutz, sondern verhindere auch das Übergreifen von gefährlichen Infektionskrankheiten auf andere. Gerade am Beispiel der Masern sei gut zu erkennen, dass nur eine hohe Durchimpfungsrate die Ausbreitung der Krankheit verhindern könne. Impfungen sind laut Windhorst die „wichtigsten, wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Präventionsmaßnahmen“ in der Gesundheitsvorsorge und könnten zuverlässig Krankheiten verhindern. Der ÄKWL-Präsident setzt beim Thema Impfprävention auf die Vernunft: „Eine Debatte über eine Impflicht ähnlich der Gurtpflicht gilt es zu vermeiden.“