Im Ausland die Approbation entzogen - Arzt arbeitete in Westfalen - Windhorst fordert: Wir brauchen ein europaweites Register und ein Kammermeldeverfahren! Patienten müssen wirksamer geschützt werden / Kammer muss Approbationsbehörde werden

Europaweiter Patientenschutz sieht anders aus: Erneut hat ein ausländischer Arzt, der in seiner Heimat keine Approbation mehr besaß, in einer deutschen Klinik in der Patientenversorgung gearbeitet. Erst nach privaten Nachforschungen von Patientenangehörigen im Internet kam der Vorfall an das Tageslicht.

 

Der Arzt wurde offenbar wegen fahrlässiger Tötung im Jahr 2005 verurteilt und weitere Ermittlungen wegen mehrerer Todesfällen in jüngerer Zeit laufen noch. In den Niederlanden hat der Arzt nach Behördenangaben keine Zulassung mehr, er gab sie freiwillig zurück. Während im niederländischen Emmen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen noch laufen, praktizierte der umstrittene Arzt bereits als Honorararzt in dem St. Georg-Krankenhaus in Bad Fredeburg. Am Montag trennte sich die Klinik von dem Arzt.

"Das ist nicht der erste traurige Fall in unserem Kammergebiet in jüngster Zeit. Diese nicht akzeptablen Einzelfälle belegen, es gibt derzeit eine gesetzliche Lücke im System. Wer als Honorararzt nur vorläufig beschäftigt ist, kann bis zu 30 Tage im Jahr an einer Klinik arbeiten, ohne bei der Ärztekammer gemeldet zu werden", erklärt der westfälisch-lippische Kammerpräsident, Dr. med. Theodor Windhorst. "Das darf so nicht bleiben", appelliert Dr. Windhorst erneut an den Gesetzgeber.

"Wir brauchen dringend klare gesetzliche Regelungen, die verhindern, dass alle Ärztinnen und Ärzte, denen in Ihrer Heimat mit guten Gründen die Approbation entzogen wurde oder die sie abgegeben haben, hierzulande noch in der Krankenversorgung arbeiten können", fordert der Bielefelder Thoraxchirurg weiter. "Wir brauchen hierfür ein effizientes Kammermeldeverfahren. Jeder Arzt muss binnen 24 Stunden bei seiner jeweils zuständigen Ärztekammer angemeldet werden", betont Dr. Theodor Windhorst.

"Noch wichtiger ist, dass künftig nicht mehr der Regierungspräsident, sondern vielmehr die Ärztekammer die Behörde ist, die Approbationen ausstellt. Und selbstverständlich benötigen wir ein nationales und europaweites Ärzte-Register, um immer schnell bei der Arztmeldung einer Klinik klären zu können, ob dem Arzt womöglich schon irgendwo die Approbation entzogen wurde oder er sie selber abgegeben hat. 

In Bad Fredeburg müssen die Behörden nun klären, ob ein Organisationsverschulden der Klinik oder des Chefarztes des umstrittenen Niederländers vorliegen. Denn dies war offenbar umfassend und frühzeitig informiert. Nach Medienangaben hat die Klinik schriftlich Patientenangehörigen im vorigen Herbst eingeräumt, schon seit Oktober 2011 von den Ermittlungen gegen den niederländischen Honorararzt in seiner Heimat gewusst zu haben. Anfang dieser Woche soll der Chefarzt einem niederländischen Radiosender anvertraut haben, auch ihm seien die Vorwürfe bekannt gewesen.

Nach Medienberichten ist mittlerweile die Bezirksregierung Arnsberg tätig geworden. RP-Pressesprecher Christian Cheml kündigte an, die Behörde prüfe nun, ob sie dem niederländischen Arzt hierzulande die Approbation entzieht. Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte dem Arzt offenbar 1981 eine Approbation erteilt.

Quelle: Marburger Bund, LV NRW/RLP