Heilkunst braucht Sprachkunst: Ärztekammern prüfen Sprachqualifikation ausländischer Mediziner - Windhorst begrüßt Entscheidung von Ministerin Steffens: „Prüfung der Kommunikationsfähigkeit sichert die Qualität der Patientenversorgung“

Die Durchführung der Fachsprachenprüfung für ausländische Ärztinnen und Ärzte ist vom NRW-Landesministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter zu Beginn des Jahres auf die beiden Ärztekammern in Nordrhein-Westfalen übertragen worden. Dies wird von dem Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) ausdrücklich begrüßt. Denn neben der medizinischen Fachkompetenz sind nach Ansicht von Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst kommunikative und psychosoziale Fähigkeiten des Arztes von entscheidender Bedeutung bei einer vertrauensvollen und ungestörten Patientenversorgung. „Heilkunst braucht auch Sprachkunst“, so Windhorst. „Die Sprache hat eine Schlüsselfunktion in der Arzt-Patienten-Beziehung. Arzt und Patient müssen miteinander reden können, sie müssen sich verstehen. Eine funktionierende Kommunikation sei Basis, um eine hochwertige Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Und wer ist für die Überprüfung der medizinischen Fachsprache besser geeignet als die Ärztekammern? Externe Prüfinstitute wohl kaum.

Nach Angabe der Kammer gibt es aufgrund des wachsenden Ärztemangels in Westfalen-Lippe seit 2010 einen erheblichen Zuwachs von ausländischen Ärztinnen und Ärzten. Die neue Arztgeneration strebt nach Aussage Windhorsts auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. „Das Credo der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland lautet, heutzutage wollen junge Mediziner zu 100 Prozent für den Patienten da sein, aber nur acht Stunden pro Tag.“ Deshalb seien die ausländischen Kolleginnen und Kollegen dringend notwendig und herzlich willkommen, um die medizinische Versorgung sicherzustellen.

Ende 2013 kamen rund 5.000 der insgesamt 41.100 Kammerangehörigen aus dem Ausland. 3.800 dieser ausländischen Ärztinnen und Ärzte waren in Krankenhäusern tätig. Dies entspricht einem Anteil von 21,5 Prozent. Unter den Berufseinsteigern und Assistenzärzten hat gegenwärtig jeder zweite Arzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. In einzelnen Kreisen in Westfalen-Lippe liegt deren Anteil sogar bei 80 Prozent. Dies zeigt nach Ansicht des Kammerpräsidenten, dass ausländische Ärztinnen und Ärzte schon jetzt einen gewichtigen Beitrag zur Sicherung der Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen leisteten.

Ärztinnen und Ärzte, die ihren Abschluss nicht an einer deutschsprachigen Hochschule erworben und auch keine deutschsprachige Kenntnis- oder Weiterbildungsprüfung bestanden haben, müssen ausreichende Deutsch-Kenntnisse nachweisen, um die Approbation zu erhalten. In Nordrhein-Westfalen ist neben der Vorlage eines allgemeinen Sprachzertifikats (Stufe B2) auch eine Prüfung der fachsprachlichen Kenntnisse notwendig. Diese Prüfung wurde bisher bei den Bezirksregierungen abgelegt, seit Januar wird sie nun in Westfalen-Lippe von der ÄKWL durchgeführt. Nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe sollten Ärztinnen und Ärzte besser Sprachkenntnisse der höheren Stufe C1 aufweisen und auch die Fachsprache entsprechend beherrschen. Die Kammer unterstützt deshalb auch aktiv Angebote zur berufsbezogenen Sprachqualifikation und will an der Sicherstellung dieser Qualifikation mitwirken.

ÄKWL-Präsident Windhorst geht noch einen Schritt weiter: Neben der Frage der Sprachqualifikation und ihrer Überprüfung sei es auch überlegenswert, ob die Aufgabe der Approbation federführend durch die Ärztekammern und unter Einbeziehung der Bezirksregierungen übernommen werden könnte. „Die Überprüfung der Sprachqualifikation durch die Kammern hilft, die Qualität der Patientenversorgung nachhaltig zu sichern. Wir sollten überlegen, ob nicht zuletzt ein Instrumentarium von approbationsrechtlichen wie auch berufsrechtlichen Interventionsmöglichkeiten in einer Hand den Kammern die so oft geforderte wirksame Überwachung der ärztlichen Berufspflichten erleichtern würde.“

Münster, 6. Januar 2014   01/14_hei