Gutachterkommission für Arzthaftpflichtfragen zieht Bilanz - Neue Regeln haben sich bewährt: Anliegen der Betroffenen umfassend berücksichtigt

Seit Juli 2014 arbeitet die Gutachterkommission für Arzthaftpflichtfragen der Ärztekammer Westfalen-Lippe nach neuen Verfahrensregeln. „Die neuen Regeln haben die Verfahren wertiger gemacht und zur Versachlichung bei der Klärung der Streitigkeiten beigetragen“, zieht der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. med. Theodor Windhorst, eine erste Bilanz der Reform. „Damit ist die Gutachterkommission auch in Zukunft ein verlässlicher Vertrauensanker für Patientinnen und Patienten, die wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers Schadensersatzansprüche geltend machen.“

Die Kommission bezieht heute nicht nur behandelnde Ärzte, sondern auch Krankenhäuser und Haftpflichtversicherungen in die Verfahren ein. So stellt sie sicher, dass nach Abschluss des Verfahrens zügig eine Regulierung erfolgen kann. Außerdem hat der Patientenvertreter seine Arbeit aufgenommen. Er hat Einsicht in die Arbeitsabläufe der Kommission und kann sich für Patienten vergewissern, dass die Gutachterkommission unabhängig, objektiv und allparteilich arbeitet.

Von der Möglichkeit, eine Behandlung zeitnah, kostenlos und neutral begutachten zu lassen, machten im vergangenen Jahr 1517 Antragstellerinnen und Antragsteller Gebrauch. Gleichzeitig schloss die Gutachterkommission 2014 noch 1031 Verfahren nach altem Statut ab. Dabei bestätigte sich in 841 Verfahren (82 Prozent) der Vorwurf eines Behandlungsfehlers nicht. In 149 Fällen (14 Prozent) hatte ein Sorgfaltsmangel zu einem Gesundheitsschaden des Patienten geführt, in 41 Fällen (vier Prozent) konnte nicht mit der erforderlichen Sicherheit festgestellt werden, dass ein Gesundheitsschaden auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen war.

Ein Viertel der Behandlungsfehlervorwürfe betraf im Jahr 2014 niedergelassene Ärzte oder Medizinische Versorgungszentren. In drei Viertel der Fälle richtete sich der Fehlervorwurf gegen die ärztliche Behandlung in einem Krankenhaus. In beiden Versorgungsbereichen wurden Behandlungsfehler annähernd gleich häufig bestätigt.

Die Ergebnisse der Entscheidungen werden systematisch ausgewertet und fließen durch regelmäßige Veröffentlichungen in die Qualitätssicherung ärztlicher Behandlung ein.