Gehle warnt vor „heißem Virus-Herbst“ – Wenn die Corona-Pandemie auf die Grippe-Welle trifft: „Müssen uns heute schon vorbereiten“ – rationelle Strategien gefordert

„Wir müssen bereits jetzt mit umfangreichen Vorbereitungen für die Gesundheitsversorgung beginnen, um im Herbst für ein Zusammentreffen der zweiten Phase der Corona-Pandemie mit der jährlichen Grippe-Welle gewappnet zu sein.“ Dies fordert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Hans-Albert Gehle. Die aktuell wieder steigenden Infektionszahlen in Deutschland seien ein Alarmsignal. „Das Corona-Virus ist und bleibt auf absehbare Zeit ein sehr hartnäckiger Gegner. Deshalb müssen wir uns heute schon auf einen heißen Virus-Herbst vorbereiten, damit wir die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen bestmöglich versorgen können. Hierzu braucht es eine zielgenaue Strategie.“

Es müsse einheitliche Vorgaben für die Gesundheitsämter geben, um einen „kommunalen Flickenteppich“ zu vermeiden. „Wir brauchen zentral gesteuerte Strategien, die dann mit Vernunft auf lokaler Ebene umgesetzt werden. Wir müssen weiterhin je nach lokaler Infektionslage zielgenau reagieren können. Aber damit die Bevölkerung dieses scheinbar lokal unterschiedliche Vorgehen versteht, braucht es zentral formulierte Regeln für das lokale Vorgehen.“ Nur eine gut informierte Bevölkerung werde sich an die überlebenswichtigen Regeln halten.

Um eine pragmatische Eindämmung der Pandemie zu erreichen, fordert der ÄKWLPräsident zuerst eine praktikable Test-Strategie. In bundesweit einzurichtenden Testzentren sollen asymptomatische Personen per Corona-Schnelltest untersucht werden, symptomatische Personen per PCR-Diagnostik. Damit unterstützt Gehle auch die Position der Bundesärztekammer, deren Präsident Dr. Klaus Reinhardt kürzlich für Reihentestungen ausschließlich in Testzentren votierte, um eine drohende Überlastung der niedergelassenen Ärzte durch erhöhtes Testaufkommen zu vermeiden.

Gehle spricht sich weiterhin dafür aus, dem Personal im Gesundheitswesen regelmäßige und kostenlose Corona-Tests zu ermöglichen, und fordert für die Beschäftigten der Gesundheitsfachberufe einen Zugang zu ausreichend Schutzmaterial. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, die sich unmittelbar und tagtäglich in der Bekämpfung der Corona-Pandemie engagieren, müssen sich mit einem hohen Sicherheitsstandard schützen können, etwa mit FFP2/3-Masken.“ Dies gelte nicht nur für die Ärzteschaft in Kliniken und Praxen, sondern auch für Medizinische Fachangestellte, Pflegepersonal in Kliniken und Altenheimen oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Reha-Einrichtungen. Dem Gesundheitspersonal müsse ein bestmöglicher Schutz gewährt werden.

ÄKWL-Präsident Gehle wiederholt die Forderung der Ärztekammer nach einer Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Er plädiert für eine Mindestpersonalausstattung bei den Gesundheitsämtern sowie die Anpassung der ärztlichen Gehälter über verbindliche Tarifverträge des öffentlichen Dienstes an die Entwicklung in anderen Bereichen des Gesundheitswesens. Der ÖGD sei jahrelang ausgeblutet, nun müssten die Gesundheitsämter qualifiziert und personell ausreichend besetzt werden, damit diese ihre Aufgaben insbesondere im Infektionsschutz erfüllen könnten. Es gehe nicht nur um Entgelt, sondern auch um würdige Arbeitsbedingungen. Der Öffentliche Gesundheitsdienst sei eine „unverzichtbare Säule unseres Gesundheitswesens“ und müsse dringend gestärkt werden.

Abschließend plädiert Gehle für ein „rationales Verhalten trotz der zahllosen Corona-Probleme um uns herum“ und appelliert auch an die Eigenverantwortung der Bevölkerung. „Jeder kann etwas zum Selbstschutz und zum Schutz der Mitmenschen tun, wenn er sich an die Hygiene-, Abstands- oder Quarantäneregeln hält.“