Gehle: Impfen allein hilft Kindern und Jugendlichen nicht aus der Pandemie – Kammerversammlung will psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen sicherstellen

Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe hat sich auf Antrag der Kinder- und Jugendmediziner in ihren Reihen einstimmig dafür ausgesprochen, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychosozialen Problemen, die sich in der Corona-Pandemie entwickelt oder verstärkt haben, sicherzustellen. Das Parlament der westfälisch-lippischen Ärzteschaft sieht hier Handlungsbedarf in den Kliniken, den Praxen sowie in den Gesundheitsämtern. Kammerpräsident Dr. Hans-Albert Gehle: „Impfen allein hilft Kindern und Jugendlichen nicht aus der Pandemie.“

Auf die Kinderkliniken und Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie komme laut Versammlungsvotum schon aktuell und erst recht mittelfristig ein erhöhter Arbeitsaufwand durch einen deutlich vermehrten stationären Behandlungsbedarf zu. „Dieser Bedarf im ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Bereich sollte durch einen Sonderfonds des Bundes abgesichert werden, um die Kliniken zumindest so arbeitsfähig wie vor der Pandemie zu halten“, fordert Gehle. Nur so sei die erforderliche zeitnahe Versorgung der Kinder und Jugendlichen sicherzustellen.

In den Kinder- und Jugendarztpraxen werde der erhöhte Bedarf an Zuwendung und Therapie durch die Heilmittelbudgets ausgebremst, kritisiert die Kammerversammlung. Die Heilmittelbudgets müssten daher umgehend ausgesetzt werden. Zudem seien gerade Familien in der Pandemie besonderen Belastungen ausgesetzt. Daher sollen die Krankenkassen die Aufwendungen für diese erforderlichen Beratungen der Familien angemessen honorieren, so die Forderung des Ärzteparlamentes.

Die Kreise und kreisfreien Städte sollen zudem über die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste die bewährten niedrigwelligen Untersuchungs- und Beratungsangebote - zum Beispiel in Form der Schuleingangsuntersuchung - mindestens im Umfang wie vor der Pandemie sicherstellen. „Die Ärztekammer Westfalen-Lippe unterstützt die Gebietskörperschaften hier gern bei der Gewinnung von Fachkräften aus dem Freiwilligenregister, damit sich das Personal des Öffentlichen Gesundheitsdienstes wieder den originären Aufgaben – wie der Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit besonderen Bedarfen - widmen kann“, so Gehle.