Gegen Nachwuchsmangel - gegen Kritikaster - Medizinische Versorgung von außen betrachtet macht Hoffnung

Das Ansehen des deutschen Gesundheitssystems ist in Europa gut, teilweise besser als in Deutschland selbst. „Manchmal kommt es mir so vor, als sei unser Gesundheitswesen der Prophet im eigenen Land, der nichts zählt“, sagt Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Man müsse zwar auf Missstände, Probleme und Fehlentwicklungen immer wieder aufmerksam machen, dürfe das Gesundheitssystem aber nicht „dauernd in Bausch und Bogen schlecht und kaputt reden“. Ansonsten schrecke man den Nachwuchs in den medizinischen und pflegerischen Berufen nachhaltig ab. „Die Folgen davon bekommt dann der Patient mit lückenhafter Versorgung zu spüren.“

Windhorst verweist in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Psychonomics, in der das deutsche Gesundheitssystem bei einer Bevölkerungsumfrage in Großbritannien, Schweden und Frankreich offenbar starken Vorbildcharakter hat und gut bewertet wird. Deutschland landete dabei gleich hinter Schweden und der Schweiz auf Rang drei, lag noch vor Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. Zwei Details der deutschen Gesundheitsversorgung erschienen im Ausland besonders attraktiv: die freie Arztwahl und der sofortige Zugang zu innovativen, neu zugelassenen Arzneimitteln. Zwar sei diese Umfrage, an der sich insgesamt 4000 Bürger beteiligt hatten, keine repräsentative Studie, so Windhorst. Sie gebe aber den Blick frei auf ein Meinungsbild von außen. „Und das sollten wir uns mal zu Herzen nehmen.“

Die Beteiligten im Gesundheitswesen sollten sich nicht ständig in Nörgeleien und Grabenkämpfen um begrenzte Finanzmittel aufreiben, den Kritikastern dürfte in der gesundheitspolitischen Debatte nicht die Meinungshoheit überlassen werden. Immer wiederkehrende Schwarzmalereien seien zum Beispiel auch angesichts des 5. MLP-Gesundheitsreports vom November 2010 kontraproduktiv: Demnach bezeichnen 70 Prozent der Bundesbürger das Gesundheitssystem und die Gesundheitsversorgung in Deutschland als gut oder sehr gut, zwei Jahre zuvor waren es nur 59 Prozent. Die ärztliche Einschätzung fällt ähnlich aus: Hier verteilten 2010 88 Prozent der Befragten Höchstnoten, 2008 waren es noch 80 Prozent. Auch in punkto Patientensicherheit brauche sich das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Vergleich keinesfalls verstecken, so Windhorst, wie etwa der ‚2007 Commonwealth Fund International Health Policy Survey’ darstellte. Hier ist Deutschland im Vergleich zu Australien, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland, Großbritannien und den USA Spitzenreiter.

Die Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitswesens könne nur im Dialog und in Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft geschehen. „Die ärztliche Selbstverwaltung hat das Know-how und die Erfahrung, um unser Gesundheitssystem und damit die Patientenversorgung auf dem bisher hohen Niveau zu halten.“ Eine Rahmengesetzgebung durch den Bund reiche aus, die dann aber verlässliche gesundheitspolitische Strukturen schaffen müsse.