Gegen den drohenden Ärztemangel: Ärztekammern in NRW wollen Stärkung der hausärztlichen Versorgung

Für eine Stärkung der hausärztlichen Versorgung haben sich die Ärztekammern Nordrhein (ÄkNo) und Westfalen-Lippe (ÄKWL) in einer gemeinsam von beiden Kammervorständen beschlossenen Resolution ausgesprochen. Der demographische Wandel mit Zunahme der Zahl älterer Menschen und der steigenden Zahl chronischer Erkrankungen stellt nach Ansicht der beiden Kammern eine wesentliche Herausforderung an die künftige ärztliche Versorgung in Nordrhein-Westfalen dar. Eine zentrale Rolle komme dabei künftig – neben anderen kurativ tätigen Fächern – den Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin zu, die für ihre Patientinnen und Patienten wohnortnah erreichbar sein müssten. Schon heute betreffe aber der Ärztemangel in ländlichen Regionen gerade das Gebiet Allgemeinmedizin und damit die hausärztliche Versorgung. In Nordrhein-Westfalen sind insgesamt etwa 500 ambulante Arztstellen derzeit nicht besetzt.

„Wir sehen die dringende Notwendigkeit, schnellstmöglich einem drohenden Mangel an hausärztlicher Versorgung mit einem Bündel von Maßnahmen entgegenzusteuern“, so Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer und der Ärztekammer Nordrhein, und  Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

ÄkNo und ÄKWL haben bereits Initiativen gestartet, die hausärztliche Versorgung über die Weiterbildung zu fördern. Von den Kammern initiierte Weiterbildungsverbünde erleichtern Assistenzärztinnen und -ärzten den Einstieg in die Allgemeinmedizin. Darüber hinaus sollen Koordinierungsstellen die spezifischen Anforderungen an die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin berücksichtigen und die Gründung von weiteren Verbünden begleiten und unterstützen.

Zudem setzen sich die Ärztekammern für eine Stärkung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen ein. Die Kammern fordern, dass kurzfristig an allen medizinischen Fakultäten in NRW ordentliche Lehrstühle und Institute für Allgemeinmedizin eingerichtet werden. Diese Lehrstühle sollen finanziell und personell entsprechend ihrer Bedeutung im Versorgungsalltag ausgestattet sein. Schon frühzeitig im Studium soll ein Bezug zur Allgemeinmedizin etwa durch Famulaturen in der Hausarztpraxis hergestellt werden. Außerdem soll das Fach Allgemeinmedizin als Wahlfach im Praktischen Jahr besonders unterstützt werden.

„In der zukünftigen Versorgungsplanung müssen die beteiligten Körperschaften die Bedarfsrichtlinien den heutigen Rahmenbedingungen anpassen“, fordern Hoppe und Windhorst. „Der derzeitige Bezug auf die kreisfreie Stadt, den Landkreis oder die Kreisregion gewährleistet keine wohnortnahe hausärztliche Versorgung mehr“, sagt Hoppe. „Auch werden die arztgruppenspezifischen Verhältniszahlen, die auf die Verhältnisse Anfang der 90er Jahre abstellen, bereits jetzt und noch mehr in der Zukunft den Veränderungen der Demographie und Morbidität nicht mehr gerecht“, ergänzte Windhorst.

Nach Ansicht beider Kammerpräsidenten müssen die Honorarbedingungen der aktuellen Versorgungsverantwortung entsprechen. Diese sollen bundeseinheitlich ausgestaltet werden, um Wanderungsbewegungen in Regionen mit höheren Honoraren je versorgtem Patient zu verhindern.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Volker Heiliger, Pressesprecher ÄKWL: 0251 929-2110
Horst Schumacher, Pressesprecher ÄKNo: 0211 43022010