Expertentelefon der Ärztekammer zur Organspende - Windhorst: „Wir müssen von einem Organvermittlungsskandal sprechen“

Für mehr Vertrauen in das System der Organspende hat sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe mit der Durchführung ihres ersten Expertentelefons zu diesem Thema eingesetzt. Den zum Teil auch überregionalen Anrufern standen sechs Experten der ÄKWL sowie des Universitätsklinikums Münster zu den Themenbereichen Organspende und Transplantation Rede und Antwort.

Für mehr Vertrauen in das System der Organspende hat sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) mit der Durchführung ihres ersten Expertentelefons zu diesem Thema eingesetzt. Den zum Teil auch überregionalen Anrufern standen sechs Experten der ÄKWL sowie des Universitätsklinikums Münster zu den Themenbereichen Organspende und Transplantation Rede und Antwort. Anlässlich dieser Informationskampagne sagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Es ist wichtig, dass wir Misstrauen abbauen und durch eine steigende Spendebereitschaft in der Bevölkerung den Patienten auf der Warteliste für ein neues lebensrettendes Organ helfen. Bei den aktuellen Vorkommnissen handelt es sich im übrigen nicht um ein Organspendeskandal, sondern wir müssen von einem Organvermittlungsskandal sprechen, bei dem erhebliche kriminelle Energie einzelner Beteiligter und Missachtung des bestehenden Organspendesystems zum Tragen kommen.“

Neben Windhorst nahmen auch Prof. Dr. med. Dr. h. c. Norbert Senninger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am UKM, Prof. Dr. med. Hartmut Schmidt, Transplantationsbeauftragter im UKM und Leiter der internistischen Klink für Transplantationsmedizin., Frau Dorothee Lamann, Organspendebeauftragte im UKM, Dr. med. Hans-Ulrich Foertsch, Internist aus Recklinghausen sowie Dr. Doris Dorsel,  Leiterin der Patientenberatung der Ärztekammer und Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, an dem Expertentelefon teil.

Die Anrufer informierten sich über die Organe, die gespendet und transplantiert werden können ebenso wie über die Frage, ob es eine Altersgrenze für die Spende oder auch den Empfang eines Organs gibt. Interesse bestand auch bei der Frage, wie man eine Patientenverfügung mit der Einwilligung zur Organspende vereinbaren kann. Die Spendebereitschaft ist in Deutschland an die freiwillige, vom Verstorbenen zu Lebzeiten oder von seinen Hinterbliebenen erklärte Zustimmung gebunden. Ebenso muss der Hirntod eingetreten und zweifelsfrei nachgewiesen sein. Dies sei die sicherste Diagnose der modernen  Medizin, so die Experten am Telefon. Auch Fragen  zur Lebendorganspende und zu Neuerungen des Transplantationsgesetzes waren Thema der Telefonaktion.

„Es freut mich, dass wir in den Gesprächen auch mit Fehlinformationen aufräumen konnten“, so Windhorst. „Der Organvermittlungsskandal hat das Vertrauen der Menschen in die Organspende erschüttert und sie in ihrer Entscheidung zur Organspende verunsichert. Dabei geht es aber nicht um ein Fehlverhalten im Bereich der Organspende, sondern um Vorfälle bei der Zuteilung von Spenderorganen.“ So sei es in Transplantationszentren zur Fälschung von Patientendaten gekommen, wodurch die Rangfolge auf der Warteliste manipuliert worden sei. Solche Wartelisten müssten geführt werden, da der Mangel an Spenderorganen eine ausreichende Versorgung der schwerkranken Patienten nicht zulasse. Diese Vorfälle seien geprüft worden und hätten bereits zu personellen Konsequenzen und zur Verschärfung der gesetzlichen Kontrollmechanismen geführt.

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe verweist in diesem Zusammenhang auf ihre Informationsbroschüre „Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht - Leitfaden für Patienten und Angehörige“, die man auf der Internetseite der ÄKWL (www.aekwl.de) findet oder unter 0251 929-9000 anfordern kann.

 

Die Organspende-Experten standen Rede und Antwort:  Dr. Theodor Windhorst, Präsident der ÄKWL, und Prof. Dr. med. Dr. h. c. Norbert Senninger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am UKM, (vorne v.l.) Prof. Dr. med. Hartmut Schmidt, Transplantationsbeauftragter im UKM und Leiter der internistischen Klink für Transplantationsmedizin., Frau Dorothee Lamann, Organspendebeauftragte im UKM, Dr. med. Hans-Ulrich Foertsch, Internist aus Recklinghausen sowie Dr. Doris Dorsel,  Leiterin der Patientenberatung der Ärztekammer und Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (stehend, v.r.)

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