„EU ist keine Einbahnstraße“ - Ausländische Ärzte können aktuellen Mangel kurzfristig beheben

In der Diskussion um die Anwerbung von ausländischen Fachkräften befürwortet die Ärztekammer Westfalen-Lippe die Anstellung von Ärzten etwa aus Griechenland, Spanien oder Portugal. Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst hält dies für eine „unterstützenswerte Sache, da sie beiden Seiten hilft“. Die Offensive der Bundesagentur für Arbeit, im Kampf gegen den Fachkräftemangel hoch qualifizierte Arbeitslose im krisengeschüttelten Südeuropa anzuwerben, stößt derzeit auch auf Kritik.

„Ich glaube nicht, dass wir hier von unmoralischen oder unethischen Angeboten sprechen können“, sagt Windhorst. „Die Europäische Union ist keine Einbahnstraße, auf der Hilfen zum Beispiel nach Griechenland nur in eine Richtung fließen dürfen. Vielmehr kann die Patientenversorgung in Deutschland davon profitieren, wenn durch diese Ärzte aus Südeuropa dem hiesigen Ärztemangel schnell begegnet wird. Schließlich dauert es zwölf Jahre, bis wir in Deutschland einen Arzt ausgebildet haben. Hier in Deutschland finden Kollegen aus dem Ausland eine berufliche Perspektive. Es geht um eine schnelle, kurzfristige und unbürokratische Strukturhilfe für beide Seiten.“

Angesichts von Arbeitslosenquoten, die in Spanien (20,9 Prozent), Griechenland (15) oder Portugal (12,4) doppelt oder gar dreifach so hoch seien wie in Deutschland (7,6), sei es nachvollziehbar, dass die Ärztinnen und Ärzte sich nach Arbeits-Alternativen umsehen. Auch die Ärzteschaft sei etwa in Griechenland stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Griechenland habe mit 5,4 Ärzten auf 1.000 Einwohner die höchste Arztdichte in ganz Europa. Bereits jetzt suchten deshalb viele eine Anstellung im Ausland. „In Westfalen-Lippe zählen wir heute schon knapp 300 griechische Ärztinnen und Ärzte in Kliniken oder Praxen“, sagt Windhorst.

Voraussetzung sei natürlich, so Windhorst, dass die ausländischen Ärzte die deutsche Sprache ausreichend beherrschten. „In dem besonderen Arzt-Patientenverhältnis ist die Kommunikation sehr wichtig. Schließlich muss der Arzt seinem Patienten Diagnose und Therapie eindeutig vermitteln können.“ Sei dies gewährleistet, stünde einer Anstellung nichts im Wege. Die ärztliche Arbeit in Deutschland könnte später auch zu einem Wissenstransfer in die Herkunftsländer der Ärztinnen und Ärzte führen und dort für wirtschaftliche Impulse sorgen. Auch aktuell könnten die hier arbeitenden Ärztinnen und Ärzte mittels Geldtransfer ihrer Heimat helfen.