Ethik-Forum beschäftigt sich mit Grenzfragen in der alltäglichen Patientenversorgung - Windhorst: Wie kommt der Arzt bei Problemen der Patienten aus der Ethik-Falle?

Die rasante Entwicklung innerhalb der medizinischen Wissenschaft und Forschung stellt den Arztberuf vor große Herausforderungen. Die traditionellen ärztlichen Grundprinzipien und Wertmaßstäbe erhalten vor dem Hintergrund des medizinischen Fortschritts eine zunehmend stärkere Bedeutung. Dies postuliert das diesjährige Ethik-Forum der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), das am (kommenden) Mittwoch in Münster stattfindet und sich mit ethischen Grenzfragen in der alltäglichen Patientenversorgung beschäftigt.

Die rasante Entwicklung innerhalb der medizinischen Wissenschaft und Forschung stellt den Arztberuf vor große Herausforderungen. Die traditionellen ärztlichen Grundprinzipien und Wertmaßstäbe erhalten vor dem Hintergrund des medizinischen Fortschritts eine zunehmend stärkere Bedeutung. Dies postuliert das diesjährige Ethik-Forum der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), das am (kommenden) Mittwoch in Münster stattfindet und sich mit ethischen Grenzfragen in der alltäglichen Patientenversorgung beschäftigt.

Nach Ansicht des Kammerpräsidenten Dr. Theodor Windhorst gewinnen ethische Konflikte in der Medizin zunehmend an Bedeutung und Aufmerksamkeit. „Ethische und rechtliche Grenzfragen stellen sich in einer Vielzahl von Bereichen, vor allem zu Beginn und am Ende des menschlichen Lebens. Dabei muss der Arzt immer dem Wohl des Patienten verpflichtet sein.“ Medizinische Interventionen und die Intensivmedizin hätten die Grenze vom Leben zum Tode verschoben. Hohe Überlebenswahrscheinlichkeit mit guter Lebensqualität ermögliche eine Ära des langen Lebens. Trotzdem mache diese Entwicklung Menschen Angst, bei schwerer Krankheit womöglich hilflos abhängig zu sein von einer Apparatemedizin. „Oft steckt der Arzt bei Problemen der Patienten in der Ethik-Falle.“

Der medizinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte habe zu einer deutlichen Verbesserung der Lebenschancen und der Lebensqualität geführt. Neue diagnostische Möglichkeiten und Therapieverfahren würden in geradezu atemberaubendem Tempo entwickelt. Diese Erweiterung der technischen Möglichkeiten der Medizin eröffnet vielfältige Chancen für eine bessere Patientenbehandlung und Bekämpfung von Krankheiten. Aber, so Windhorst, dieser medizinische Fortschritt führe auch dazu, dass Ärzte immer häufiger vor schwierige Therapieentscheidungen gestellt würden: „Sie bewegen sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Patientenwunsch, medizinischer Machbarkeit, ökonomischem Druck und juristischen Folgen.“

Auch der Vorsitzende des Arbeitskreises Ethik-Rat der ÄKWL, Prof. Dr. Dr. Jens Atzpodien, sieht die Notwendigkeit, sich den ethischen Grenzfällen in der Medizin zu widmen. „In Zeiten der wachsenden Ökonomisierung ist eine Rückbesinnung auf die grundlegenden Werte der Medizin besonders wichtig. Wie sind Selbstbestimmung und Menschenwürde gerade in Grenzsituationen der Medizin zu verwirklichen - diese Diskussion möchte das Ethikforum der Ärztekammer Westfalen-Lippe im interdisziplinären Austausch zwischen Patienten, Ärzten, Juristen und Medizin-Ethikern mit konkreten Beiträgen aus der Praxis bereichern."

Das Ethik-Forum 2012 unter dem Titel „Ethische Grundfragen der Medizin im Alltag“ der Ärztekammer-Westfalen-Lippe findet am Mittwoch, 14. November 2012, von 18.00 bis 21.00 Uhr auf Gut Havichhorst, Havichhorster Mühle 100, statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

Die geplanten Vorträge:

Ethische Grenzfragen in der Medizin
Prof. Dr. med. Bettina Schöne-Seifert, Lehrstuhl für Medizinethik am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der WWU Münster
Begleitung am Lebensende – Konzept einer haus- und palliativärztlichen ambulanten Betreuung
Dr. med. Alfons Gersmann, Dortmund
Patientenverfügung und Selbstbestimmung
Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten
Frühgeborenenmedizin – Gibt es eine Grenze der Lebensfähigkeit?
Prof. Dr. med. Dominik Schneider, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dortmund
Moderne Intensivmedizin aus juristischer und ärztlicher Perspektive
Prof. Dr. jur. Thomas Gutmann, M. A., Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Rechtsphilosophie und Medizinrecht an der WWU Münster und Prof. Dr. med. Klaus Hahnenkamp, Ltd. Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Münster

 

Münster, 13. November 2012               41/12_hei